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Nov 28 2009

Mrs. World Wahl in Vung Tau, Vietnam

Autorin: Elischeba Wilde

Vom 2. bis zum 22. November 2009 ist die Weltpresse auf Vung Tau gerichtet. Verheiratete Schönheiten rund um den gesamten Erdball treten gegeneinander an, um die Krone der Mrs. World zu erlangen. Die Erlebnisse in Südvietnam sind vielfältig. Landausflüge, Tempelbesichtigungen, kulinarische Genüsse, Luxushotels, Einstudieren der Choreographie und eine pompöse Finalshow. Ich bin im gewaltigen Medienrummel mitten drin. Darf Deutschland vertreten, die Freundlichkeit der Vietnamesen und die Andersartigkeit des Landes kennenlernen.

 fenster_elischeba      koffer_missen

Der Abschied von meinem Schatz ist verdammt hart. Drei Wochen sehen wir uns nicht. Puh…wie halte ich das aus? Über 80 Leidensgenossinnen geht es genauso wie mir. Auf dem gesamten Erdball spielen sich gerade ähnliche Szenen an internationalen Flughäfen ab. Die letzten Küsse. Drücken. „Ich liebe Dich auch“. Tränen beim Blick zu den Kids, die noch gar nicht verstehen, wie lange die Mama wirklich weg ist. „Thành phố Hồ Chí Minh“ heißt unser Ziel auf Vietnamesisch. Exotisch hört sich das an. Und ein bisschen fremd irgendwie.

„Einsteigen bitte!“ Freundliche Thai-Stewardessen in bunter Landestracht zeigen mir, wo ich mich niederlassen kann. Was für schöne Sitze. Wow! Einer gelb, der andere lila und dann noch einer in pink. Die Farben von „Thai Airways“ eben. Da kommt Vorfreude auf Asien auf. Ich nehme die pinkfarbene Menükarte in die Hand. Natürlich entscheide ich mich für die thailändische Variante: Pa-naeng Curry mit Hühnchenfleisch, gedämpfter Thai Hom Mali Reis und Gemüse. Kleines Problem: Viele finden das Gericht gut. Deswegen ist nichts mehr für mich da und ich muss zu den Lachsmedaillons greifen. Locker bleiben: Die nächsten Wochen werde ich noch oft genug asiatisch essen. Darauf freue ich mich richtig.

 ausblick_fenster      vietnam_urlaubsfoto

Dann schaue ich von meinem Fensterplatz „51k“ aus raus auf die Wolken. Wie endlos weit sie wirken. Dann beginnt das Grübeln. Was wird mich in Vietnam erwarten? Wer wird meine Zimmerpartnerin werden? Wie wird mir das Land gefallen? Gibt es Zickenkrieg? Werde ich Wireless LAN haben, damit ich mit meinem Schatz in Verbindung bleiben kann? Habe ich auch mal Zeit zum Entspannen? Werden Pierre und ich ein paar Mal telefonieren können? Fragen über Fragen. Ein Zurück gibt es jetzt sowieso nicht mehr. Wie sagt man in meiner Heimatstadt „Kölle“ so schön: „Es kütt wie es kütt“.

Jut – dann lasse ich mal alles auf mich zukommen. Als rheinländische Frohnatur werde ich auch aus einem anderen Grund positiv denken müssen und lasse das Einchecken Revue passieren. 600 Euro Übergepäck wollte die Frau am Schalter für Koffer Nummer Zwei haben. Heftig! Spontane Umorganisation folgte: Meine Sachen sollten dann eben per Fracht reisen. Deutlich günstigerer Spaß: 150 Euro. Während ich durch die Sicherheitskontrolle gegangen bin, hatte mein Schatz sich um den gesamten Papierkram gekümmert. Ach Pierre, wenn ich Dich nicht hätte!

Pompöser Empfang

Schlafen im Flugzeug? Keine Chance. Im sitzen geht das eh nicht. Bin außerdem zu wirbelig. Umsteigen in Bangkok.  Das meiste ist geschafft. Aussteigen in ………..“Wie hieß die größte Stadt Vietnams noch mal?“ Ach ja! Ho-Chi-Minh-City. Meine Augen und meinen Mund reiße ich erstaunt auf. Was für ein Empfang! Bis gerade war ich noch ziemlich müde vom schlaflosen Nachtflug.

Im nächsten Moment bin ich für einen Moment hellwach. Das nennt man Aufwand: Riesige Aufsteller mit Mrs. World Postern, zahlreiche lächelnde Vietnamesen mit Schärpen, welche die Mrs. World Organisation präsentieren. Ein gewaltiger Blumenstrauß, der mir entgegen gereicht wird. „Welcome in our country, Mrs. Germany“ wird mir herzlich von allen Seiten zu gerufen. Das bleibt auch von anderen Fluggästen nicht unbemerkt, die entweder fragen, ob sie Bilder machen dürfen, oder die einfach dastehen und wie Autos gucken.

 dsc_8708      saigon

Doch in Vietnam herrscht ein anderes Tempo als in Deutschland. Langsamer. Gelassener. Die Menschen sind mit innerer Ruhe und Zufriedenheit genauso effektiv. Hektik und Eile widerspricht den Lehren des Konfuzius. Mir ist es unangenehm, dass ich meine zwei Passfotos für das Visum nicht so schnell finde. „Just relax, we have enough time“ wird mir sanft bestätigt. Mein erster Eindruck: Ich mag Vietnamesen! Mein zweiter: Von denen kann ich noch eine Menge lernen.

Misses Pakistan

Kurz darauf treffe ich auf Mrs. Pakistan. Wir werden nach der Visa Kontrolle zusammen in das luxuriöse Sofitel Saigon gefahren.  „Oh I am so hungry“, gibt sie mir im geräumigen Auto zu verstehen. Dann berichtet sie mir, dass man im Flugzeug für sie kein „moslem food“ hatte. Ob es denn nur Schweinefleisch gab, hake ich nach. Nein, sie würde nur Fleisch essen, welches von Allah gesegnet worden ist – wenn ich sie richtig verstanden habe. „Probiere hier in Vietnam mal gebratenen Tofu mit Kokossauce und gegrilltem Gemüse“, gebe ich ihr als Fan der asiatischen Küche als Tipp mit auf den Weg. Dann schaue ich mir die Kandidatin näher an: Eine bildhübsche junge Frau mit schwarzem Haar, großen Rehaugen und hellbrauner Haut. Darf sie sich denn überhaupt so zeigen? Dezent frage ich nach.

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Offen und spontan wird mir geantwortet. Was man im Rahmen der Mrs. World Wahl alles lernen kann! Es gibt Gebiete in Pakistan, wo Frauen sich komplett verschleiern müssen. In der Stadt, in der sie zu Hause ist, kann jede Dame selbst entscheiden, wie sie sich kleidet. Später berichtet sie mir, dass es im Islam mit dem Koran genau wie mit der Bibel im Christentum gehandhabt wird – manche Menschen legen sie strenger aus – was im Fall des Korans zur Zwangsverschleierung führen kann.

Großstadt mit besonderem Reiz

Wer an Vietnam denkt, der stellt sich unendliche Reisfelder, eine satte grüne Landschaft, das türkisfarbene Meer und Mangrovensümpfe vor. In Saigon lerne ich vorerst eine andere Seite Asiens kennen: Hupen, Mofas, Abgase, Hochhäuser und verkehrsreiche Straßen. Komisch. Dass die bei dem Durcheinander mit all ihren Zweirädern noch klar kommen. Das rege Treiben wirkt hektisch, aber bei näherem Hingucken gleichzeitig auch sehr gelassen und gekonnt. Die Stadt hat ihren eigenen Reiz. Die Andersartigkeit. Die bunten Häuser. Die pyramidenförmigen und strohfarbenen Hüte der Menschen. Das breite Lächeln, wenn ich sie aus dem Auto heraus anstarre.

Ich sehe zahlreiche Vietnamesen mit Mundschutz herumfahren. Eine Einheimische, die neben uns sitzt und für die Planung der Mrs. World Wahl zuständig ist, mache ich darauf aufmerksam. „Ist das ein Schutz vor der Schweinegrippe?“ frage ich erstaunt. Sie klopft mir sachte mit der Hand auf den Oberschenkel, fällt laut schallend an zu lachen und wirft den Kopf nach hinten: „Wir sind hier in Vietnam, da haben wir keine Schweinegrippe. Das ist ein Schutz vor dem Staub, was beim schnellen Moped fahren von Vorteil ist.“

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Wieder etwas dazugelernt. Im Hotelzimmer genieße ich den beeindruckenden Ausblick auf Saigon. Zum Abend hin verwandelt er sich in eine tolle bläulich-rötliche und romantische Farbenpracht. Die anderen Missen, die gestern angereist sind, befinden sich noch beim Ausflug. Schön, dann habe ich Zeit meinem Mausi Mails zu schreiben und einen Blogeintrag zu erstellen. Recht früh gehe ich schlafen. Gegen Mitternacht werde ich von Schritten in meinem Zimmer geweckt. „Hi, I`m Misses Switzerland“ sagt eine sympathisch klingende Stimme, als ich mich im Bett bewege. Wir quatschen eine Stunde. Eigentlich war ich doch müde? Tja, eine Misses World Wahl ist doch zu aufregend um zu schlafen. Ruhen kann ich, wenn ich mal alt bin. Was wird der nächste Tag bringen?

Tuchfühlung mit Schönheitsköniginnen vom ganzen Erdball

Überraschungen. Eindrücke. Staunen. Was für eine Horde hübscher Damen. Wie von der Mrs. World Organisation gewünscht, werden die Schärpen von uns Missen den ganzen Tag getragen – so kann jeder direkt ersehen, welches Land von welcher Dame vertreten wird. Beim Frühstück die Mädels zu beobachten ist so, als würde man sich mit der Erdkugel beschäftigen. Mrs. Nigeria trägt ihre Tracht. Mrs. Kanada sitzt mir direkt gegenüber. Sie nimmt einen Schluck Kaffee und berichtet mir, dass sie am Morgen schon ein bisschen geweint hat. Per Skype hätte sie mit ihrem Mann gesprochen – sie würde ihn die nächsten drei Wochen so vermissen. Dass wir alle unsere Ehepartner in unserer Nähe haben möchten und lange auf sie verzichten müssen, das schweißt uns momentan zusammen. Wir erfreuen uns an den exotischen Früchten Vietnams und sind neugierig auf die kommende Zeit.

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„Come, please!“ höre ich eine Stimme von draußen rufen. Meine Güte, sehen die stark aus: Zwei riesige rote Busse stehen vor der Tür. Großer Aufdruck des Mrs. World Logos. Die letzten Gewinnerinnen des Weltfinales sind ebenfalls abgedruckt. Außerdem werden Kurzinfos zum Ort des aktuellen Geschehens präsentiert. Da hat sich jemand richtig Mühe gegeben.

Die Fahrt nach Vung Tau dauert circa drei Stunden – tagsüber gibt es auf dem Weg regen Verkehr. Der neugierige Blick nach draußen ist stets interessant. Mofas, Hupen, freundliche Vietnamesen, Palmen und bunte Hütten und Häuser. Wir steuern die Hauptstadt der Ba Ria Vung Tau Province an und sind gespannt. Vor dem „Imperial Hotel“ angekommen stelle ich fest, dass der Empfang am Flughafen gar nichts war gegen das hier: Circa 500 Menschen stehen bereits vor dem Eingang.

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Bunt angezogen und schön geschmückt. Trompeten begrüßen uns. Winkende Kinder. Offene und willkommen heißende Gesichter, Musik, gute Laune und Asia-Feeling. Gerührt laufen wir weiter Richtung Rezeption. David Marmel persönlich – der Repräsentant der Mrs. World Organisation – begrüßt uns mit seinem Team. Schick gekleidet, stilvoll und charmant. Die warmherzige Mrs. Amerika Organisatorin Batsheva Baiba umarmt mich herzlich, erinnert sich an die schöne Zeit mit mir vor einem Jahr in Kaliningrad (Mrs. World Wahl 2008) und sagt mir, dass sie äußerst erfreut darüber ist, mich wieder zu sehen. Immer wieder betont sie, dass sie mich einfach so „süß“ findet.

Exotisches Buffet und Misses Brasilien

Ein extrem leckeres Buffet wartet nun auf uns – das „Imperial Hotel“ bietet feinste vietnamesische Küche. Misses Amerika fragt mich, ob ich mich zu der kleinen Gruppe am Vierertisch setzen möchte. Schnell kommen wir ins Gespräch. Misses Dänemark möchte alle Details über die Jury letztes Jahr wissen. „Ich bin der Sven“ höre ich plötzlich eine deutsche Stimme, als ich mir etwas vom genialen Hühnchen-Kokos-Curry nachnehmen möchte. Der sympathische Hoteldirektor aus München stellt sich vor und berichtet mir, dass er sich auch schon darauf freut, meinen Mann kennen zu lernen, der knapp drei Wochen später angereist kommen wird, um sich die Finalshow anzusehen und mich endlich wieder in seine Arme zu nehmen.

Nach der frischen und aromatischen Kost erfahren wir, wer unsere „room mates“ hier im „Imperial Hotel“ sein werden. „Misses Switzerland“ und ich verstehen uns so gut, dass wir unbedingt wieder zusammen ein Doppelzimmer teilen möchten. Allerdings steht „Misses Brasil“ und Zimmer „526″ auf dem Schreiben, welches ich später von der Rezeption erhalte. Wie werde ich mich mit ihr verstehen? Sie ist eine der schönsten Teilnehmerinnen hier. Das ist sofort ersichtlich. Knapp 1,80 Meter groß, hellbraune Haut, riesige Augen, schlank, klassische Gesichtszüge und schönes schwarzes langes Haar. Aber sie wirkt etwas distanziert. Ob ich mit der Dame klar komme, die das Land des Sambas, Kaffees und Fußballs repräsentiert?

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Beeindruckender Tempel mit erschreckender Geschichte

Mit zwei großen „Mrs. World Bussen“ werden wir in die Umgebung Vung Taus gefahren. Vorbei an sattgrüner Palmenlandschaft erreichen wir nach einer Viertelstunde unser erstes Ziel für heute: Den weißen Leuchtturm. „Jurassic Park“ ruft uns ein Einheimischer auf dem letzten Fußweg dorthin grinsend zu und zeigt per Handbewegung auf die Umgebung. Ein hervorragender Ausblick auf eine Stadt voller bunter Häuser, den weißen Sandstrand und das hellblaue Meer erwartet uns. „Seht Ihr die Statue dort drüben?“ fragt uns ein vietnamesischer Guide. „Diese soll Jesus darstellen und wurde um 1970 herum von der christlichen Minderheit erbaut“, erklärt der junge Mann.

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Zwischendurch ist immer wieder amerikanische und asiatische Presse an unserer Seite. Ein regionales TV Team möchte von mir wissen, wie mir Vietnam gefällt und was ich beruflich mache. Ich erkläre mit zitternder Geste, wie kalt es gerade in Deutschland ist, und dass ich froh bin, hier zu sein und mich auf meinen Schatz freue, der für einen anschließenden Urlaub nachkommt. Auch spontane Fotoshootings stehen auf dem Programm.

„Where is the restroom, please?“ frage ich beim Zwischenstopp und stelle immer wieder das gleiche fest: Vietnamesische Waschräume besitzen weder Toilettenpapier, noch Seife – wer sich rundum wohl fühlen möchte, der sollte beides immer dabei haben! Imposant ist der Eingang des Võ Thị Sáu Tempels, mit seinem drachenartigen Treppenhaus und seinen tollen Farben.

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Erschreckend dagegen die Geschichte der 16jährigen Võ Thị Sáu, welche nach einer bewaffneten Aktion gegen die französischen Kolonialherren gefasst und zum Tode verurteilt wurde. Die bürgerliche Legalität Frankreichs verbot es jedoch, die Minderjährige zu exekutieren.

So wurde sie dann als erster weiblicher Häftling auf die berüchtigte Gefängnisinsel „Côn Sơn“ gebracht, damit ihre Henker dort auf ihre Volljährigkeit warten konnten. Am 23. Januar 1952 wurde die Todesstrafe durch Erschießen vollstreckt. Für die Vietnamesen starb Võ Thị Sáu als Heldin – jedes Kind in diesem Lande kennt ihr Schicksal. In vielen Orten ist eine Straße nach dem Mädchen benannt und Schulen tragen ihren Namen.

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Ein Herz für Kinder

Der anschließende Besuch der Schule für Kinder mit Handicap ist rührend. Viele von ihnen tanzen für uns auf der Bühne – ein Mädchen nimmt meine Handfläche und zeichnet mit ihrer Zeigefingerspitze symbolisch ihren Namen auf und fragt mich, wie ich heiße. Manche der Kleinen umarmen mich spontan und lächeln mir zu. Als ich sie fotografiere und ihnen das Bild nachher im Display zeige, sind sie ziemlich fasziniert. Einige von ihnen würde ich am liebsten mit nach Hause nehmen, aber sie sind hier in der Provinz Vung Tau bereits in liebevollen Händen und werden bestens betreut.

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Auf dem Rückweg singen wir im großen Mrs. World Bus schunkelnd „We are the world“ von Michael Jackson und sind beeindruckt vom schönen Abendlicht, welches wir beim Blick aus dem Fenster wahrnehmen. Heute Abend steht nach dem Dinner „Üben für die pompöse Show“ auf dem Programm. Anschließend geht es zurück aufs Zimmer.

Misses Brasilien wirkte anfangs nur so distanziert auf mich, da sie kaum Englisch spricht – das ist der tatsächliche Grund. Da die exotische Schönheit gerne mit einer spanisch sprechenden Misses im Zimmer sein möchte und ich mit Misses Schweiz, tauschen wir unsere Begleitungen. Allerdings staune ich an dem Tag, den ich mit Misses Brasilien als „roommate“ verbringe, wie wunderschön sie sogar ungeschminkt ist. Optisch gehört die knapp 1,80 Meter große junge Mutter zu meinen Favoritinnen.

Plötzlich hohes Fieber

Am nächsten Morgen geht es mir super. Ich bediene mich am hochwertigen Buffet des schönen Imperial Hotels mit typisch vietnamesischen Köstlichkeiten. Exotische Früchte sowie „Cha gio“ – die Frühlingsrollen aus dünnem Reisteig, welche mit Krabben, Fleisch und / oder Ei gefüllt sind, gehören dazu. Weit verbreitet und lecker ist außerdem auch „mien ga“ – die typische vietnamesische Nudelsuppe mit Hühnchenfleisch.

Hier schlage ich ebenfalls zu und genieße es, mit anderen Schönheitsköniginnen draußen zu sitzen und die angenehme Morgenluft einzuatmen, sowie den Blick auf die Palmenlandschaft zu werfen. Wann der richtige Zeitpunkt für Kinder ist, das ist das Gesprächsthema. „Früh ist schöner,“ sagt die 24 Jahre junge Mutter und amtierende Mrs. Kreta, während Mrs. Niederlande mir gesteht, dass sie – wenn sie noch einmal entscheiden könnte – lieber erst mit Ende 30 Nachwuchs bekommen würde.

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Als die Mädels samt mir bei der morgendlichen Besprechung auf den Tag vorbereitet werden, geht es mir auf einmal nicht besonders gut, aber ich denke, dass es schon wieder besser werden wird. Plötzlich fühle ich mich ziemlich schlapp und frage die Personen der Mrs. World Organisation nach einem Arzt. Immerhin habe ich aus meiner schmerzhaften Erfahrung in Ägypten im April 2009 gelernt und weiß, dass schnelles Handeln bei den ersten Auswirkungen von Krankheit nicht zu unterschätzen ist.

Wunderpille

Im Informationsraum sind ein paar nette vietnamesische Angestellte zugegen, die den Arzt anrufen. Alle wollen irgendwie etwas tun, damit es mir besser geht, auch wenn sie nicht genau wissen, was mir helfen würde. Die Hilfsbereitschaft der warmherzigen Asiaten ist groß. Plötzlich wird mein Kopf ziemlich heiß und ich lege mich prompt auf die nächste Couch. „Oh nein, bitte nicht schon wieder“ denke ich mir verzweifelt. „Ist das ein Zeichen dafür, dass ich nur noch Nahreisen machen soll?“ Mir gehen die merkwürdigsten Gedanken durch den Kopf. Dass heute Samstag ist und ich zu Hause bei meinem geliebten Pierre sein könnte.

Jedoch ist die Teilnahme an der Mrs. World Wahl meine – teilweise auch sehr angenehme – Pflicht und der Titel der Mrs. Germany hat uns als Paar auch eine Menge Vorteile gebracht. Wieso ziehe ich denn immer wieder solche Dramen an? Es gibt hier über 80 Missen und davon ist außer mir nur eine einzige momentan krank, nämlich Mrs. Brasilien. Das Fieber wird höher. „Um die 40 Grad“ sagt die Ärztin, die mittlerweile eingetroffen ist und unter meinem Arm meine Temperatur gemessen hat. Ich habe keine Schmerzen, aber ich fühle mich einfach ganz komisch. Und von Minute zu Minute komischer. Als wenn meine Lebensenergie meinen Körper verlassen möchte. Ich kriege ein bisschen Panik.

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Ich erinnere mich an meine Erlebnisse in Ägypten, als man mir keine Infusion geben konnte, da mein Blutdruck zu stark gesunken ist und lege meine Beine als Vorsichtsmaßnahme hoch. Damals hat die Höhe des Fiebers bewirkt, dass meine Nieren nicht mehr richtig gearbeitet haben, mein Körper auf Notfall umgestellt hat und ich nach dem „Fallen in Bewusstlosigkeit“ am dritten Tag auf der Intensivstation wieder richtig aufgewacht bin. Mir gehen die Worte des Arztes später in Deutschland durch den Kopf: „Medizinisch ist es ein Wunder, dass Ihnen nichts passiert ist.“

All das möchte ich wirklich nicht noch einmal erleben. Die freundlichen Vietnamesen und Runya von der Mrs. World Organisation legen mir eine Menge Medikamente auf den Tisch. Eins davon ist stark fiebersenkend. Keine Ahnung wie viele Nebenwirkungen das Zeug hat, aber das brauche ich jetzt! Schnell schlucke ich es mit ein bisschen Wasser. Super: Jetzt habe ich Grund zum Aufatmen: Die Medikamente wirken. Das Fieber sinkt. Und sinkt. Bereits nach circa 20 Minuten ist meine Temperatur wieder im grünen Bereich. 38,5. Noch einmal Glück gehabt! In den Tropen scheinen Infektionen schnell zu kommen, aber bei der richtigen Behandlung auch schnell wieder zu gehen. Was auch immer „Hapacol Blue“ genau ist – es scheint erstaunlich schnell zu wirken.

Mit Blaulicht ins Krankenlager

Trotzdem werde ich vorsichtshalber mit Blaulicht auf einer Liege ins Krankenhaus gefahren – eine Infusion soll helfen, so dass ich schnell wieder richtig fit bin. Mir ist ein bisschen unbehaglich, als ich im „Hospital“ ankomme. Ich befinde mich in einem riesigen Raum voller Menschen – ob Ärzte, Krankenschwestern oder Patienten – nur Vietnamesen sind hier. Ich werde von allen Seiten so angeguckt, als wenn ich von einem anderen Planeten kommen würde, aber trotzdem sehr freundlich. Leider ist kein Bett für mich frei, also wird eine junge Frau darum gebeten, für zwei Stunden auf einem nahe gelegenen Stuhl zu sitzen, was mir ein bisschen unangenehm ist. Beim Umschauen fällt mir auf, dass das „Nile hospital“ in Hurghada wesentlich europäischer eingerichtet ist. Der Waschraum besitzt hier weder Seife noch Toilettenpapier. Hoffentlich kann ich schnell wieder ins behagliche „Imperial Hotel“. Überhaupt liegen die zahlreichen kranken Personen in diesem Großraum extrem nah beieinander – Männlein, Weiblein und Kinder alle beisammen in einer großen Halle.

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„What do you want?“ fragt mich der Doktor freundlich. Erst mal muss ich kurz lachen und sage ihm, dass er doch der Arzt ist. Danach erkläre ich dem Vietnamesen, dass ich eine Infusion mit Mineralstoffen benötige. Diese folgt kurz darauf. Die Nadel ist frisch, alles ist desinfiziert. Ich bin darüber erleichtert. Die ganze Zeit steht der junge Mann bei mir – irgendwie scheint er froh zu sein, dass eine Dame aus Europa in Behandlung ist und versucht sich mit Händen und Füßen mit mir zu unterhalten. Breit grinsend guckt er mich an und steht einfach da. Auch noch nach zwei Stunden. „You are so beautiful“ sagt er mir. Schön, dass ich seinen Arbeitsalltag ein bisschen auffrische.

Als ich alleine bin, mache ich aus Langeweile Fotos von mir selbst, was der Doktor ziemlich lustig findet, als er wieder zurückkommt. Mein Mann würde sagen: „Schön, das zeigt, dass es meiner Elli wieder gut geht.“

Einladung nach New York

„Kommt uns doch mal in New Jersey besuchen“, ermuntert mich meine liebe Doppelzimmer-Partnerin Meilin Vanessa Rohrer, Mrs. Switzerland beim Frühstück und nimmt noch ein Stück Drachenfrucht. Ich bin ein bisschen gerührt über ihre Gastfreundschaft. Dann sehe ich mich auf der Terrasse nach meinen Mitstreiterinnen um. Ich lerne wundervolle Frauen aus der ganzen Welt kennen.

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Die hübsche Brünette ist zwar gebürtige Schweizerin, lebt aber momentan in der Nähe der Weltstadt New York. Mein Mann Pierre ist sowieso ein großer Fan der Nordostküste der Vereinigten Staaten – das passt also perfekt. Schon jetzt freue ich mich darauf, Misses Schweiz wieder zu sehen, denn sie ist mir sehr ans Herz gewachsen. Gerade trage ich ihre langen blauen Ohrringe, die sie mir für das heutige Hotelshooting ausleiht.

Zickenkrieg oder Konkurrenzdenken? Keine Spur. Dass wir 83 Kandidatinnen uns so gut verstehen, mag auch daran liegen, dass wir alle jeweils nicht die „Miss“, sondern die „Misses“ sind. Der Großteil von uns hat Kinder. Was uns alle verbindet, ist eine glückliche Ehe und ein Mann, der hinter uns steht. Nach einem Shooting-Tag im Hotel geht es abends zum Rathaus „Vung Taus“, um wichtige Menschen aus dem Bereich Politik und Reisen begrüßen und kennenlernen zu dürfen. Jede von uns trägt ein Abend- oder Cocktailkleid und hält ein heimatliches Geschenk in den Händen. Nachdem wir vom „cheerman“ positiv willkommen geheißen werden, folgt eine englische Übersetzung von Đoàn Thị Kim Hồng, Misses Vietnam 2005. Herrlich ist das riesige Poster im Hintergrund, welches Vietnams Schönheiten zeigt. Einladend auch der Film, der auf dem Bildschirm unter der Decke läuft.

Idee mit Welterfolg

Dann folgt die Rede von David Marmel, dem Präsidenten der Mrs. World Organisation. „Weil ich gerne hübsche Frauen im Bikini gesehen habe, war ich Gast eines Beauty-Wettbewerbes“, beginnt er charmant seine Worte. Später hat er mitbekommen, wie eine verheiratete Bikinischönheit teilnehmen wollte. Jedoch wurde ihr forsch erklärt, dass dieser Wettbewerb nur ledigen Damen vorbehalten ist. Einige Wochen später schlenderte er durch Miamis Straßen. Es waren die Mütter und die Damen mit Ring, die ihm aufgefallen sind: Ihre Aura, ihre Ausstrahlung, ihre Erfahrung. Nichts hielt ihn mehr davon ab, den weltweit einzigen Contest für Ehefrauen zu gründen. Allein die Vielzahl der internationalen Presse, die hier in Vietnam anwesend ist, zeigt, dass seine Idee ein großer Erfolg geworden ist.

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Jetzt ist es soweit – wir übergeben unsere Geschenke. Misses Côte d’Ivoire aus Westafrika setzt dem „cheerman“ von Vietnam eine große Krone auf dem Kopf und sagt vor allen, dass er jetzt der „King“ ist. Gelächter im Raum. Einige Missen bringen kulinarische Highlights mit. „Mrs. Germany, please.“ Vor dem Blitzlichtgewitter überreiche ich ein deutsches Monopoly Spiel und erkläre dem Präsidenten, dass er bei dessen Benutzung die 22 schönsten Städte Deutschlands kennenlernt. Der freundliche Herr bedankt sich und überreicht mir ebenfalls etwas: Zwei vietnamesische kleine Figuren. Bei 83 Kandidatinnen dauert das Überreichen und Fotografieren eine Weile.

Sehnsucht nach dem zweiten Koffer

Langsam gehen mir die Kleider aus. Ich vermisse meinen zweiten Koffer. Noch knapp zwei Wochen bis zur Finalshow – das passende Outfit ist noch auf Reisen. Das wird eng. Umso erleichternder die frohe Botschaft: Mein Koffer hat Saigon erreicht. Die schlechte Nachricht folgt kurz darauf: Mich erwartet ein ganzer Tag im Auto um nach HCMC hin und wieder zurück zu fahren. Ich muss mein Gepäck persönlich abholen.

Während die anderen Missen einen Tagesausflug machen, werde ich nach HCMC fahren. Neben mir im Auto nimmt Mrs. Libanon Platz, die ihren Koffer von Beirut aus nach Vietnam per Schiff verschickt hat. Neugierig schaue ich auf dem Weg aus dem Fenster: Mofas, hupen, reger Verkehr, freundliche und lächelnde Gesichter mit spitzen Hüten. Palmen, Sonne, bunte Häuser, Werbeplakate mit europäisch aussehenden Frauen.

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Plötzlich fährt ein Ambulanz Wagen mit rotem Blinklicht und Alarm an uns vorbei. „Ich liebe dieses Land, aber ich möchte hier nicht ernsthaft krank werden“, fügt unser Guide Dolev Sunshine Sadan aus Israel beim Blick aus dem Fenster hinzu, der neben uns sitzt. „Die Krankenwagen haben hier nur eine einfache Liege und sind auf nichts vorbereitet. Der Weg ins Krankenhaus kann drei Stunden und mehr dauern – bis dahin sind viele Patienten leider schon gestorben“, sagt er mit einem ernsten Gesichtsausdruck. „Puh, das ist heftig“, antworte ich und erinnere mich daran, dass ich hier auch schon meine Erfahrungen mit dem „vung tau hospital“ gemacht habe. Auf der Fahrt dorthin hat der Kleinbus die ganze Zeit richtig heftig gewackelt.

Ohne vietnamesische Hilfe aufgeschmissen

Mittags geht es erstmal Richtung Restaurant und das landestypisch: In einem Suppennudelhaus kann der Gast die passenden Beilagen wählen – ich entscheide mich für Hähnchenfleisch und bin beeindruckt davon, dass ich für drei Dollar richtig satt werde. Danach startet die Bürokratie: Erst geht es mit vietnamesischer Begleitung in ein riesiges Gebäude voller Kartons und Maschinen. Danach folgen Mrs. Libanon und ich in einen Raum mit drei Sekretärinnen und den entsprechenden Schreibmaschinen. Die Businessfrauen tippen ziemlich schnell die Wünsche der Besucher nacheinander ein. Anschließend geht es noch in ein Gebäude mit anwesenden Polizisten und uniformierten Personen. Zwischendurch ist langes Warten angesagt.

Die hübsche Kandidatin aus dem Libanon ist ein äußerst stiller Typ, also starren wir beide die meiste Zeit einfach ins Leere. Mit meiner kleinen Panasonic Lumix TZ7 laufe ich so lange herum, bis ich freundlich darum gebeten werde, keine Bilder mehr zu erstellen. Unsere Helfer haben unsere Reisepässe in der Hand und diskutieren mit den Angestellten heftig. Scheint alles nicht so einfach zu sein.

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Nachdem wir den Vietnamesen noch einmal in einen weiteren Lagerraum hinterher laufen, steht er dann endlich da. Mein Koffer! Nicht nur meiner. Auch der von Mrs. Libanon. Beide am Stück und unversehrt. Meine Güte, das war eine Prozedur. Ohne die intensive Unterstützung der vietnamesischen Helfer vom Hotel wäre das fast unmöglich alleine zu schaffen, denn dafür ist Englisch als zweite Sprache im Großteil Vietnams einfach nicht verbreitet genug.

Das Glück wird nicht im Außen gesucht

Auf dem Rückweg halten wir an wunderschönen buddhistischen Tempeln, um zwei weibliche Mönche einzusammeln. Ich vertrete mir bei dieser Gelegenheit für fünf Minuten die Füße und nehme den inspirierenden Duft der Räucherstäbchen wahr. Welch eine Ruhe dieser Ort ausstrahlt. Grüne Landschaft, Palmen, Blüten, ein paar herumlaufende Hunde. Ich gehe an einfachen Räumen vorbei, in denen Männer in dunkelorangefarbigen Umhängen und kahl rasierten Köpfen sitzen.

Sie essen Reis und lächeln mir freundlich zu. Diese Menschen lehren, dass das Glück nicht im Außen in der materiellen Welt gesucht werden sollte, sondern dass Herzensfrieden von innen kommt. „You are very nice“ findet der weibliche Mönch im hellgrauen Umhang auf dem Rückweg, der neben mir sitzt. Dann erklärt mir die Dame, deren Haupthaar sie geschoren trägt, dass sie blonde Haare und weiße Haut schön findet.

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Abends gibt es für uns 83 Missen noch eine kleine Einführung in die Meditation. Kann man entspannen, wenn drei Kamerateams aufs eigene Gesicht gerichtet sind? Andererseits ist das hier mittlerweile Alltag und irgendwann nehmen wir die Begleitung der Medien gar nicht mehr so richtig wahr.

„Mrs. Germany, no computer, please!“ Fred guckt mich böse an. Nichts tun ist halt nicht so mein Ding. Stundenlanges Warten empfinde ich als unproduktiv. Irgendwann hat man sich ausgequatscht mit der Sitznachbarin. Oder die Englischkenntnisse reichen nur für oberflächliche Diskussionen. Wir sind müde. Ab der zweiten Woche haben wir täglich „rehersal“. Auf Deutsch heißt das „Trainieren für die Show“ In der Praxis bedeutet es vor allem eins: Auf der Bank zu sitzen. Die über 80 Mädels werden in 12er Gruppen aufgeteilt und mit diesen wird Laufen geübt. Die anderen haben die Anweisung zu Gucken. Ich sehne mich ein bisschen nach den tollen Landausflügen der ersten Tage zurück. Dann schaue ich mich in der klimatisierten Halle um. Draußen scheint die Sonne. Davon kriegen wir jedoch nichts mit. Ich grinse in mich hinein, als ich daran denke, dass mir Freunde und Bekannte einen schönen Vietnamurlaub gewünscht haben. Es ist eine einmalige Erfahrung, für die ich dankbar bin. Aber Urlaub ist doch etwas anderes.

Aus Spaß wird Ernst

Jetzt wird es ernst. Wir lernen anspruchsvolle Tanzchoreographien für das Opening. Als ich die Schritte endlich im Kopf habe, da macht die Sache auf einmal so viel Spaß, dass ich gar nicht mehr aufhören will. Die Amerikaner Fred und Fride bringen uns eine Menge bei – durch ihre große Portion Humor gibt es immer wieder Gelächter im Raum. Auch wenn der Großteil von uns die Ausflüge und Trips als schöner empfunden hat, als das tägliche Üben, ist die jetzige Vorbereitung für den 22. November wichtig. Die Show wird immerhin live übertragen und weltweit ausgestrahlt.

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Endspurt: Am 18. November 2009 muss sich jede von uns einem Smalltalk mit der Jury stellen. Diese stammt aus Russland, Amerika und Asien. Meine Favoritin ist Diana Tucker, Mrs. World 2007. Herz, Ausstrahlung, Schönheit und Intelligenz – die Amerikanerin hat das gewisse Etwas. Die Stoppuhr geht. Das war`s – nach drei Minuten stehen wir auf und gehen von links nach rechts direkt weiter zum nächsten Prüfer. Wann haben die überhaupt Zeit, sich Notizen zu den einzelnen Kandidatinnen zu machen, denke ich mir, als es schon zum nächsten Juroren geht. „Ob ich lieber einen mitfühlenden oder einen reichen Mann hätte?“ fragt mich der Gegenüber. Erst mal muss ich wegen der Frage lachen. „Einen mitfühlenden“ antworte ich. Erstaunt guckt mich der äußerst elegant gekleidete junge Mann asiatischer Herkunft an. Aber nur ein Reicher kann für Dich sorgen, klärt er mich belehrend auf. Später erfahre ich, dass er mehrfacher Millionär ist. Falsche Antwort meinerseits? Egal – ich bleibe authentisch.

Die Stimmung wandelt sich

Zum „Preminalary“ ändert sich die Stimmung der Kandidatinnen Schlag auf Schlag. 13 Stylisten haben für über 80 Damen eine Stunde Zeit! Wer sich am besten durchsetzen kann, der wird gestylt. Für mich ist kein Platz mehr. Schade. Ich habe kein Talent mir die Haare für einen Bühnenauftritt angemessen herzurichten. Also lasse ich sie einfach glatt herunterhängen. Mein Schatz mag mich so am liebsten, auch wenn es nicht die passende Frisur für ein Abendkleid und eine Gala ist. Das Wichtigste für eine gute Ausstrahlung: Mich vorher noch mal richtig satt zu essen. Deswegen lange ich im „Imperial Hotel“ zu – immerhin ist der Abend lang.

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Die russisch sprechenden Kandidatinnen sind mir gegenüber alle freundlich und zuvorkommend. Allerdings behandeln viele von ihnen die kleinen vietnamesischen Helferinnen wie „dumme Sklaven.“ Das tut mir und vielen anderen Teilnehmerinnen im Herzen weh. „Oh she is so stupid, she understands nothing“ betont beispielsweise eine Titelträgerin lautstark zur anderen. Doch können diese Schönheitsköniginnen ein Wort vietnamesisch sprechen? Sie vergessen, dass sie gerade die Ausländerinnen sind.

Es ist der Auftritt ausschließlich für die Jury. Nun wird alles entschieden. Wir treten vor, wir lächeln, wir präsentieren und wir sind erfolgreich. Zum Finale erhalte ich eine wunderschöne und äußerst glamouröse Frisur. Wow! ich bin begeistert. Wobei mir dieser Look am Tag der Entscheidung mehr gebracht hätte. „In Deutschland haben wir das berühmte Oktoberfest, trinken gerne Bier und haben eine Menge Spaß“ mit diesem Satz stelle ich fröhlich mein Landeskostüm vor.

Warum bist Du die perfekte Mrs. World?

Die Vergabe der Top 12 Plätze erstaunt uns Kandidatinnen teilweise. Zuletzt stehen drei Damen auf der Bühne. Die warme Mrs. Vietnam, die professionelle Mrs. Amerika und die kühle blonde Mrs. Russland. „Warum bist Du die perfekte Mrs. World?“ Es ist nicht möglich, dass eine der Kandidatinnen die Antwort der Konkurrenz hört. Auf das Feedback zur Finalfrage schaut die Weltpresse mit gespannter Erwartungshaltung.

Herzlich und liebevoll reagiert Mrs. Vietnam – ihre Übersetzerin ist ein bisschen überfordert mit der Situation und kann kaum etwas wiedergeben. Wir haben jedoch später erfahren, dass Yen Hoang Thi eine „wunderbare Antwort“ gegeben hat (auch wenn nicht vietnamesisch sprechende Menschen kaum verstanden haben, was sie gesagt hat).

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Die durchtrainierte Mrs. Amerika reagiert wie immer professionell und erklärt, dass ein Titel nicht nur eine Ehre ist, sondern auch eine Aufgabe und es harte Arbeit bedeutet, diesen gut zu nutzen. „Es ist meine Pflicht, den Titel nach Russland zu holen“, antwortet die Dame, die als letztes gefragt wird und bekommt als Resultat die Krone. Mrs. Amerika ist nun die amtierende Vize Mrs. World (first runner up). Russland hat viele schöne Frauen – Victoria Radochinskaya wünsche ich eine Menge Erfolg.

„Good luck, Germany!“

„You are the winner in my heart“ – mit diesen Worten überrascht mich Paul bei der After Show Party, ein junger Mann aus Amerika, der dort wohl sehr bekannt ist, Deutschland liebt und dessen Nachnamen ich leider vergessen habe. Er erklärt mir, dass er sehen würde, welches Lächeln echt ist und welches nicht. Die Vietnamesen mögen mich und haben vor dem Finale häufig meine Hände gehalten, mir tief in die Augen geschaut und mir temperamentvoll „good luck, Germany!“ gewünscht. Jury Mitglied Diane Tucker kommt am Abend auf mich zu, drückt mich und bekundet, dass ich alles richtig gemacht hätte. „I love you“ sagt mir die hochgewachsene dunkelhaarige Mrs. World 2007, die auch Mrs. Arizona gewesen ist. Ich bin mir sicher, dass sie mich „gut bewertet“ hat!

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Mir tun die Kandidatinnen leid, die ein paar Stunden nach der abschließenden Finalgala bereits mit Koffern in der Hotel Lobby stehen müssen. Der Rückflug ins kalte Deutschland erwartet sie. Ich dagegen habe mich die gesamte Zeit riesig über eine gewisse Anreise gefreut: Mein Schatz ist bereits einen Tag vor der Show eingetroffen. Für ihn bin ich jederzeit die „schönste Ehefrau“ – und die besten Schätze im Leben sind eine gute Beziehung und echte Freundschaften. Ich lehne mich an Pierre heran und freue mich auf unseren einwöchigen Vietnamurlaub.

Kontaktadresse Imperial Hotel:

Imperial Hotel Vung Tau
159 – 163 Thuy Van Street
Vung Tau City, Vietnam
Tel: +84 (0)64 362 8888
Fax: +84 (0)64 356 1111

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