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Okt 28 2010

Kulinarische Genüsse, malerische Buchten und gemütliche Städtchen auf Sizilien

Autorin: Elischeba Wilde
Zeitraum der Reise: Mitte Oktober 2010
Fotografen: Anja Magdeburg (zwei Bilder vom Ausflug „Stromboli“ und Yoga Bild), Elischeba Wilde (39 Fotos), Pierre Wilde (3 Fotos) und Pino Re (19 Fotos). 6 Fotos stammen aus dem Bildarchiv vom Hotel Kalura (Dankeschön an Gerrit Curcio).

Wer sich die Insel vor der „Stiefelspitze“ Italiens auf einem Satellitenbild anschaut, der entdeckt im Osten den schneebedeckten Ätna mit Rauchfahne. Wir erobern die urigen Städtchen der Nordküste Siziliens und sind den kulinarischen Genüssen Italiens verfallen. Das charmante Hotel Kalura ist auf einem riesigen Felsen gelegen und bietet einen traumhaften Ausblick auf Kaktusfeigen, Agaven, Überreste eines alten normannischen Turms und das türkisfarbene Meer.

 postkarte_kalura      cefalu

Neugieriger Blick aus dem Fenster

Nach circa zweieinhalb Flugstunden bereitet sich der Pilot auf die Landung vor. Catania ist mit 295.591 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Siziliens. Gespannt schaue ich aus dem Fenster. Hmm……..die Autos und Strassen sehen auf den ersten Blick so aus wie bei uns in Deutschland. So viele Hochhäuser. Kleine Enttäuschung? Na ja, warten wir einfach mal ab.

Huch, mein Kosmetikköfferchen vibriert………

Am Flughafen angekommen sehe ich um mich herum sympathische Sizilianer, welche stark gestikulierend italienisch reden. Was für eine melodische Sprache! Weiter geht’s zum Gepäckband. Bis auf mein Kosmetikköfferchen ist alles angekommen. Wo bleibt das kleine Teil denn nur? Auf einmal erschrecke ich. Mein Kosmetikkoffer kommt mir vibrierend und leicht wackelnd entgegen. Huch….wie kommt das denn? Plötzlich muss ich lachen – meine elektrische Zahnbürste hat sich im Innern selbständig gemacht. Ich schaue mich verlegen um und hoffe, dass niemand denkt, dass ich einen Vibrator darin versteckt habe.

 sicily      stachelfrucht

Duftet Sizilien anders?

Erste Schritte auf italienischem Boden. „Bilde ich mir das ein, oder duftet Italien einfach herrlich?“ frage ich leicht verwirrt – ohne genau zu wissen, was mich hier gerade inspiriert. Palmen, Sonne und unser südländischer Fahrer mit Autoschlüssel vor uns. „Two hours to Hotel Kalura“ prophezeit er uns. Einsteigen und raus gucken. „Schatz, die Gegend erinnert mich an die Toskana“ stelle ich mit Blick zu meinem Mann nach einer halben Stunde Fahrtzeit fest. „Stimmt“ antwortet er und fügt hinzu, dass die Farben der Grünschattierungen und ockerfarbenen Häuser der Region in Mittel-Italien ähnlich sind.

Nach Vokabeln suchen nicht nötig

Angekommen im Hotel Kalura! Lächelnd gehe ich auf den jungen Mann an der Rezeption zu und sortiere innerlich ein paar englische Vokabeln. Brauche ich gar nicht. Er spricht mich in fast perfektem Deutsch an. Schnell stelle ich fest, dass auch gefühlte 90 Prozent der Gäste aus Deutschland kommen.

 bikini_elischeba_2010      rezeption

Was für ein Ausblick

Wie sieht unser Zimmer aus? Spannender Moment, als der Schlüssel sich herum dreht und es „eintreten“ heißt. Wow! Was für eine gemütliche Couch und welch warme Wandfarben in unserem Apartment. „Lipari“ lockt mit einer privaten und großzügigen Terrasse. Der Ausblick auf das Meer ist atemberaubend. Ich schaue auf eine malerische Bucht, türkis leuchtendes Meer, grüne Berge und gewaltige Felsen.

 aussicht      beeren

Magische Anziehungskraft

Wir befinden uns in der Caldura Bucht an der Nordküste Siziliens – circa anderthalb Kilometer von dem pittoresken Städtchen Cefalù entfernt. Das Meer zieht uns magisch an. Eine urige Steintreppe geht hinunter zum Steg – da wir uns auf einem Felsen befinden, gibt es keinen Strand. Dank einer Treppe können wir bequem ins Wasser klettern.

 genuss      sonnenaufgang

Plantschen mit normannischer Kulisse

Im Oktober hat das Wasser noch eine angenehme Temperatur von circa 22 Grad. Da das Klima tagsüber nicht mehr ganz so heiß ist, mögen viele Urlauber diesen Monat besonders gern.

Begeistert schwimmen wir weiter. Mit großen Augen schaue ich mich um. Ich sehe sattgrüne Berge mit Olivenbäumen, Kaktusfeigen und Agaven. Besonders angetan bin ich von den Überresten eines normannischen Turms und den Felsen, die sich nun direkt vor mir befinden. Was für eine Landschaft! Bella Italia.

 normannische_kulisse      uebersicht_cefalu

Erschrocken zucke ich zusammen

Gerade lasse ich die schöne Gegend auf mich wirken, da holt mich mein Schatz in die Realität zurück. „Elischeba, weißt Du was ich letztens gelesen habe? Mafiosi, die das Schweigegebot missachten, werden von der Mafia unter anderem so bestraft, dass sie Betonklötze um die Füße bekommen und ins Meer geworfen werden.“ Erschrocken zucke ich zusammen. „Wie, so etwas passiert noch in der heutigen Zeit?“ Pierre beruhigt mich, dass Touristen hier absolut sicher sind, da die Insel von Urlaubern lebt.

Mafiaheimat und der Pate

Nachdem mir Pierre noch mehr zur aktuellen Situation der Mafia erzählt, schlägt er mir vor, dass wir mal zusammen „Der Pate“ gucken, damit ich das ganze System noch besser verstehen kann. Irgendwann frage ich ihn, ob wir nicht das Thema wechseln können.

 kalurahotel_pino      meer

Bitte hier keine Diät, Leute!

Wer in Italien Urlaub macht, der sollte sich ganz auf Genuss einstellen – das trifft auch auf die sizilianische Küche zu. Im Hotel Kalura essen wir mittags a la carte und dinieren abends bei einem feinen Viergangmenü.

So gibt es zum Beispiel gebackene Auberginen in Tomatensauce mit Parmesankäse (Melanzane alla parmigiana) als erste Vorspeise. Darauf folgt ein perfekt abgeschmeckter Meeresfrüchtesalat (Insalata frutti di mare). An anderen Tagen können wir beim zweiten Gang zwischen einer hervorragenden Risottovariante und Pasta wählen.

„Ich habe in Deutschland erst einmal so gut Risotto gegessen und das war mein eigenes“ stellt Gourmethobbykoch Pierre fest und ich muss bejahend über das gute Selbstbewusstsein meines Mannes lächeln. Recht hat er!

 marie      cefalu_im_vollmond

4-Gang-Menü, Basilikum-Aroma und die perfekte Pasta

Für den Hauptgang können Gäste wählen, ob sie Fisch oder Fleisch wünschen. Natürlich kommt das Haus Vegetariern freundlich entgegen. Sollte der Kellner Sonderwünsche in Deutsch einmal nicht verstehen, so können Urlauber gern bei eventuellen Unverträglichkeiten mit der deutsch sprechenden Rezeption Kontakt aufnehmen. Als Hähnchen aus Freilandhaltung angeboten wird, freue ich mich als Tierliebhaberin – zum Dessert gibt es täglich wechselnde Angebote. Köstlich sind sie alle.

bar

Auch wenn das Menü sehr lecker ist, so schmecken nach meinem Empfinden die Varianten aus der Karte immer noch einen kleinen Touch hochwertiger. „Wie kommt das eigentlich, dass das Basilikum hier so wahnsinnig aromatisch ist?“ fragt Pierre Hoteldirektor Gerrit Curcio später. Seine Mutter baut Gewürzkräuter eben im eigenen Garten an – Bioaufzucht ist ihr Hobby. Die Nudeln schmecken perfekter als perfekt, da der Koch sie aus dem Topf nimmt, wenn sie noch nicht al dente sind und sie erst mit der Sauce in der Pfanne bissfest werden lässt.

pasta      dessert       schluerfen

Mal beim Telefonat lauschen gehen

Als ich abends im Bett liege, da höre ich neben dem Meeresrauschen, wie mein Schatz auf unserer Terrasse mit seinem Freund Simo Hanoun telefoniert und muss in mich rein lachen.

„Boa, Simo, in diesem Land würde ich nicht alt werden. Hier gibt es fast jeden Abend als zweiten Gang Pasta oder Risotto. Ja, klar ist das schön, Simo, aber danach kommt noch ein Hauptgericht und anschließend Dessert. Natürlich, das schmeckt ja auch alles super, aber ich habe das Gefühl, dass ich danach platze.“

Ich drehe mich im Bett noch einmal um und denke mir, dass 19 Uhr 30 einfach eine späte Zeit für ein Viergangmenü ist. Aber Südländer dinieren eben etwas später und irgendwann gewöhne ich mich daran.

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Cefalù – beliebt, gemütlich und touristisch

Nach Taormina ist Cefalù das meistbesuchte Örtchen Siziliens. Von unserem Hotel laufen wir circa 15 Minuten in das Zentrum des belebten Ferienortes. Auf dem Weg kommen wir an weißen und blauen Jasminblüten, Palmen und exotischen Baumarten vorbei. Von oben herab schauen wir beim Weitergehen auf den schönen Hafen herab – im Hintergrund runden das gebirgige Hinterland und die grünen Berge den tollen Anblick ab.

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Berühmt geworden ist Cefalù unter anderem durch eine dreischiffige Säulenbasilika. Der Dom San Salvatore an der Piazza Duomo gilt als eines der schönsten Bauwerke aus normannischer Zeit und wird von Urlaubern eifrig fotografiert. Die Besichtigung des Doms ist kostenlos – der Anblick der großen Säulen, aufwendigen Goldmosaiken und Gemälden beeindruckt uns.

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Kopf mit drei Beinen – was bedeutet das bloß?

Begeistert bin ich von den vielen urgemütlichen Restaurants und liebevoll eingerichteten Boutiquen und Souvenirläden. Immer wieder sehe ich das gleiche Motiv als Mitbringsel: Einen Kopf mit drei Beinen. Mal aus Ton, mal auf Stein und mal als Porzellanfigur. Ich mache mir über die Bedeutung Gedanken. Neugierig frage ich Kalura Hoteldirektor Gerrit Curcio und erfahre, dass es sich um das Wahrzeichen der Gegend handelt. Na, das habe ich mir doch schon fast gedacht.

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Damit niemand verschollen geht

Der Burgberg von Cefalù lockt uns förmlich an und scheint schon von weitem „Besteigt mich – hier habt ihr einen Wahnsinns-Ausblick“ zu rufen. Mit einer Flasche Wasser im Rucksack machen wir uns auf und wandern an Schafherden, Verteidigungsringen, wilder Landschaft und Zisternen vorbei. Plötzlich passieren wir einen Italiener mit Block und Stift. Er sagt uns, dass wir um 17 Uhr 45 wieder unten sein sollen und notiert unsere Namen und Herkunft. Um sicher zu gehen, dass niemand verschollen geht, denke ich mir. Weiter geht’s die urigen Steinstufen herauf.

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Keine Waschräume, kein Wasser und viel Schweiß

Zwischendurch halten wir immer wieder inne, atmen tief durch und staunen. Was für ein Ausblick: das blaue Meer, die malerische Bucht und das ziegelrote Häusermeer von Cefalù. Ganz hinten die Äolischen Inseln. Beeindruckend. Am Tempio di Diana beobachten wir Gäste, die auf einer Bank zwischendurch Picknick machen: Italienischer Schinken (Prosciutto), Pasta, eingelegte Oliven, getrocknete Tomaten (pomodori secchi), frischer Käse und Caponata alla siciliana.

So ein Festmahl ist eine gute Idee, jedoch würde ich das nicht alles hoch schleppen wollen. Ein absolutes Muss ist jedoch – neben gutem Schuhwerk – genug Wasser dabei zu haben und im Idealfall auch direkt vor der Besteigung den Waschraum noch mal aufzusuchen. Es gibt nämlich keinen Shop, kein Restaurant und keine Toiletten auf dem gewaltigen Berg. Ganz oben angekommen haben wir auf weißen Mauerresten einen fantastischen Ausblick auf ganz Cefalù – die Mühe des Hochkletterns hat sich gelohnt.

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Vorsicht bitte beim Autofahren

Wir entscheiden uns dafür, einen Mietwagen für 80 Euro am Tag zu erwerben und die Nordküste zu erkunden. Heute ist bis 13 Uhr Markt in Castelbuono und so machen wir uns auf den Weg. Beim Fahren aus dem Fenster gucken ist gefährlich – die Gegend lockt mit einer wunderschönen hügeligen Gebirgslandschaft, doch Konzentration ist aufgrund der engen Straßen und vielen Kurven verdammt wichtig.

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Markttag in Castelbuono

Nach circa 30 Minuten sind wir am Ziel angekommen! Hier gibt es massenhaft Jeans, Kleidungsstücke, Haushaltswaren und Kitsch. Mir erscheint die Quantität höher als die Qualität. Was mir gefällt, ist die Tatsache, dass wir die einzigen Touristen weit und breit sind. Das gibt ein Gefühl von italienischer Ursprünglichkeit! Wir laufen an den Ständen vorbei, da wir uns auf den Wurst- und Käsestand freuen.

Am Ende der Markthütten sind wir leicht enttäuscht – keine Lebensmittel in Sicht. Wen fragen wir hier nach dem Weg – es gibt nur Einheimische und wir können nicht viel mehr als „grazie“, „buona sera“, „bella“ und „arrivederci“ sagen. Mist! Na, dann eben mit Händen und Füßen.

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Hilfsbereitschaft auf sizilianischen Straßen

Eine junge Frau versteht uns zwar nicht, aber führt uns zu Kollegen und Freunden, von denen sie glaubt, dass sie uns helfen können. Klappt aber nicht. Schließlich landen wir mit ihr zusammen in einem Hotel, wo uns erklärt wird, dass der Lebensmittelmarkt nicht weit entfernt ist.

Was es dort duftet. Niemand ist aufdringlich, wenn wir jedoch interessiert schauen, dann wird uns mit breitem Lächeln etwas zum Probieren in die Hand gedrückt. Verkaufsgespräche sind nicht notwendig, denn hier sind exotische Obstsorten, getrocknete Früchte und sizilianische Spezialitäten so lecker und ursprünglich, dass der Gast einfach kaufen muss.

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Käse und Wurst direkt vom Hersteller

Die Dame im großen Käsefahrzeug kann kein Wort englisch oder deutsch – mit Handsprache kommen wir trotzdem bestens zurecht. Alles mal probieren. Ursprünglich, natürlich und aromatisch. Nee, nicht die ganze Wurst – nur drei Stück davon. Nee, nur ein halbes Stück Käse. Am Schluss haben wir für 34,90 Euro eine große Tüte voll mit feinsten Leckeren gekauft. Im deutschen Biomarkt hätten wir mindestens das Doppelte hinlegen müssen.

 einkaufen      kaese

Sammeln, damit sie aufhören zu singen

Es geht weiter – wir haben in Castelbuono weder ein Ziel noch einen Plan. Plötzlich bekomme ich Hunger und schlage meinem Schatz vor, dass wir irgendwo essen gehen, wo es weder eine internationale Karte gibt, noch Touristen. Das ist hier auch gar nicht so schwer zu finden und so landen wir in einer ursprünglichen Pizzeria. Beim Schauen auf die Karte bin ich ganz stolz darauf, dass ich die zur Auswahl stehenden Pizzabeläge auch in der romanischen Sprache im Großen und Ganzen verstehe.

Da ich im Land der kulinarischen Genüsse das ultimative Geschmackserlebnis erwarte, bin ich erst ein wenig enttäuscht. Objektiv gesehen weiß ich jedoch, dass ich diese Pizza in Deutschland sehr gelobt hätte. Plötzlich kommen Folklore Tänzer hinein, als diese anfangen ihre Stimme zu erheben, da können Pierre und ich unsere eigenen Wörter nicht mehr verstehen. „Sollen wir mal sammeln gehen, damit sie aufhören zu singen?“ frage ich Pierre mit einem frechen Grinsen.

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Boa – wieso kriegt niemand in Deutschland so ein Eis hin?

Wir laufen automatisch auf den Ortskern zu. Hinter den weißen Häusern locken von allen Seiten die gewaltigen typischen Berge Siziliens. Auf einmal stehen wir samt einer französischen Reisegruppe vor dem beeindruckenden „Castello dei Ventimiglia“ aus dem Jahre 1316.

Als wir den Eisstand sehen, lässt Pierre sich drei Kugeln geben. „Lass mal bei Dir probieren, ich bin noch satt von der Pizza“ lasse ich ihn wissen und nehme ihm kurz sein Eis aus der Hand. „Boa – ich brauch sofort auch eins!“ Von wegen satt – so cremig, aromatisch und lecker habe ich zuletzt vor acht Jahren in Florenz Eis gegessen. In Deutschland scheinen Cafés entweder nicht die Rezepte zu haben oder die Qualität der Zutaten reicht nicht aus.

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Nee, ich kann doch nicht schon wieder essen

Gerade das Eis auf, da lockt ein Gourmetladen mit einem Stand voller lokaler Produkte und Köstlichkeiten. Ein charmanter Sizilianer drückt uns ein Stück süßes Brot mit verschiedenen Aufstrichen entgegen. Schnell erreicht er sein Ziel: Pierre hat bereits auf die Seite gestellt, was er davon alles kaufen möchte.

Irgendwann bin ich von Pizza, Eis und Leckereien total voll und soll noch mehr probieren. Kulinarische Genüsse schätze ich sehr, aber ich kann doch nicht den ganzen Tag nur essen – heute Abend wartet ab 19 Uhr 30 schon wieder ein feines Viergangmenü im Hotel Kalura auf mich. Gut, ich probiere doch und bin pappsatt.

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Ciao bella

Unser Mietwagen soll uns weiter nach Pollina bringen – auf dem Weg muss ich jedoch immer wieder für ein Foto anhalten. Herrliche Täler, sattes Grün und tolle Berge. Wo auch immer ich mit meinem Blondschopf und Minirock die Strasse wechsele – überall rufen mir junge Männer aus dem Auto „Ciao bella“ zu – ich muss lächeln und mein Schatz schaut mich stolz an.

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42 Jahre in Solingen gearbeitet, danach wollte man mich nicht mehr

In Pollina angekommen denken wir zunächst, dass die Zeit vor gefühlten 100 Jahren stehen geblieben ist. 3064 Einwohner hat der äußerst stille Ort und bietet außer einer klitzekleinen Kneipe keinerlei Freizeitmöglichkeiten. Ein älterer Herr kommt uns auf einem Stock entgegen und fragt uns, ob wir aus Deutschland kommen.

Als wir dies bejahen, da berichtet er uns traurig, dass er 42 Jahre als Gastarbeiter in Solingen gewesen ist und jetzt wolle man ihn da nicht mehr und deswegen wäre er wieder hier. „Aber hier ist es doch schöner als in Deutschland und das Wetter ist doch viel besser“ lächele ich den Herrn spontan an, aber das sieht er wohl anders. Beim Weiterlaufen treffen wir den nächsten früheren Gastarbeiter aus Solingen und haben irgendwann das Gefühl, dass halb Pollina irgendwann mal in der Nähe von Köln gewesen ist.

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Palermo – die größte Stadt Siziliens

Heute stürmt und regnet es in Strömen. Als Optimisten hoffen wir, dass das Wetter besser wird und planen eine Tagestour nach Palermo. An der Rezeption im Kalura Hotel werden wir bestens beraten und bekommen einen Fahrplan für Busse und Züge mit auf den Weg. Zehn Euro kostet die zehnminütige Taxifahrt zum Bahnhof von Cefalù – mit dem Bus müsste man zwischendurch umsteigen – so ist es bequemer. Fünf Euro pro Kopf geben wir dem deutsch sprechenden Angestellten am Schalter für die einstündige Fahrt zur fünftgrößten Stadt Italiens.

Italiener sind sexy

Draußen regnet es so stark, dass ich außer grauen Häusern nicht wirklich viel erkennen kann. Also schaue ich mich im Zug um, beobachte Einheimische und mache mir Gedanken, welche Eigenschaft am Besten zu Italienern passt.

Beim Checken ihrer Kleidung fällt mir auf, dass sich sowohl Männer als auch Frauen sehr stylisch anziehen – die Kleidung wirkt äußerst geschmackvoll und häufig auch teuer. Die braunen Augen der Inselbewohner wirken leidenschaftlich und ihre Sprache wirkt wie eine erotische Melodie. Essensaufnahme reicht nicht, in diesem Land muss alles sensationell schmecken. Italiener sind einfach sexy!

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Was ist der Preis für zwei Regenschirme?

Angekommen. Puh, bei dem Wetter schickt man keinen Hund vor die Tür. Geschäftstüchtige junge Männer stehen direkt am Bahnhof mit Schirmen. Einer davon macht per Hand das Zeichen für „fünf“ – schnell gehe ich auf ihn zu und frage, was der Preis für zwei ist. Für acht Euro erwirbt jeder von uns einen Regenschirm – er muss ja nur heute halten.

Ist die Stadt tatsächlich gefährlich?

„Mausi, Du guckst zu viel Negatives im Fernsehen“ schimpfe ich ein bisschen mit meinem Mann. Beim Schwimmen in der Bucht vom Hotel Kalura erzählt er mir von Personen, die von der Mafia mit Betonklotz um die Beine ins Meer geworfen werden. Hier berichtet er mir davon, dass er aus den Medien erfahren hat, wie geschickte Banden Rucksäcke und Handtaschen aufschlitzen, um ans Geld zu gelangen. Von Palermo hätte er gehört, dass man gut auf seine Sachen aufpassen muss. „Gut, wir verstauen alles perfekt und denken positiv, dann passiert auch nichts“ lächele ich ihn an.

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„Wo kann man hier gut essen gehen?“

An einigen Sehenswürdigkeiten der 656.081 Einwohner großen Stadt laufen wir schnell vorbei, denn auch mit Regenschirm wird man bei dem Sauwetter noch richtig nass. Wir treffen auf einen englischen Guide, der seiner Gruppe unter vielen Schirmen ein paar Hintergründe zur schönen Kathedrale gibt. Wir fragen den Halbitaliener, wo man hier gut essen gehen kann. Auf Englisch erklärt er uns den Weg zu „Antica Focacceria San Francesco Palermo.“ Dann fügt er auf Deutsch hinzu: „Billig und lecker.“

Chaos, Ungewissheit und Mikrowelle

Wir erreichen ein Selbstbedienungsrestaurant auf zwei Etagen und sind froh, endlich im Trockenen zu sein. An den Wänden hängen Schwarz-Weiß Fotografien von berühmten Persönlichkeiten, die sich innerhalb der letzten 70 Jahre in Palermo aufgehalten haben. Es gibt traditionelle Gerichte im Angebot wie Pasta, Salate, Fleisch, Pizza und Fisch.

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Es wimmelt von einheimischen Besuchern – hier muss es gut schmecken! Die deutschen Gäste blicken jedoch genau wie ich erst mal nicht durch. Irgendwann haben wir es dann geschnallt. Erst an der Kasse äußern was man alles essen möchte, dies sofort bezahlen und dann samt erhaltenem Bon das Gericht holen. Da die Auswahl nur in Italienisch angegeben wird, ist es für Touristen nicht einfach, das richtige zu bestellen.

Erstaunt bin ich, dass der junge Mann hinter der Theke meine Portionen in der Mikrowelle erwärmen möchte – das passt doch gar nicht zu italienischen Köstlichkeiten! Da der etwas mürrisch wirkende Italiener weder Englisch noch Deutsch spricht, rufe ich einfach „Stopp“ und mache ein Zeichen, dass ich die Sachen kalt esse.

Mit meinen beschränkten Vokabeln wie „belissima“ und „grazie“ kann ich ihm nicht zu verstehen geben, dass ich kürzlich erfahren habe, dass laut einer Studie Nahrung aus der Mikrowelle beunruhigende Veränderungen im menschlichen Blut verursacht. Außerdem steht hinter mir eine drängelnde Schlange, die Hunger hat.

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Igitt – Zunge vom Schwein zum Lunch

Wir sitzen in der oberen Etage des Restaurants und schauen auf das gesamte Geschehen herab. „Mausi, schau mal, als Belag für die weißen Brötchen wird ein großer Topf voll mit Zungen vom Schwein gebraten – eine Spezialität hier.“ „Ihhh“ entkommt es mir spontan. Ich probiere leidenschaftlich gern Neues aus – aber Zunge vom Schwein muss nicht sein, zumal das alles andere als appetitlich aussieht – das Zeug trieft ja nur so vor Fett. Später erfahre ich, dass es sich um gekochte Kälber Milz handelt, jedoch macht das die Sache für mich nicht viel anziehender.

In unserem Hotel Kalura wird zwar sizilianische Küche geboten, jedoch nichts, wovor sich jede zweite Dame ekeln würde. Dieses Verständnis für uns Touristen kommt mir sehr entgegen.

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Pino Re – Retter in der Not

Klitschnass mit Schirm in der Hand durch die Strassen laufen und Sehenswürdigkeiten suchen macht nicht wirklich Spaß. Schön, dass wir uns nachmittags mit dem Fotografen Pino Re privat treffen, den ich am Vortag beim Hotel Shooting kennen gelernt habe.

Der Sizilianer nimmt uns in seinem warmen Auto mit und zeigt uns sein Palermo, wie er es liebt und schätzt. Zwischendurch machen wir immer wieder Stopp für Cappuccino, Gelati und köstliches Gebäck. Pistazien- und Marzipanpralinen wirken immer wieder unwiderstehlich auf uns.

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Nein, da betet man nicht den Mond an, Elischeba

Morgens um acht Uhr sehe ich Anja Magdeburg mit vier jungen Frauen zum Strand gehen und leicht fließende Yoga Übungen machen. Wir kommen später ins Gespräch – die gebürtige Duisburgerin hat eine sehr sanfte Art und steckt gerade in ihrer Ausbildung zum NLP-Master Coach.

Vor dem nächsten Frühstück mache ich einmal mit und lerne den Mondgruß. Die Übungsreihenfolge empfinde ich als äußerst angenehm. Später berichte ich der 43-jährigen bei einer Tasse Cappuccino, dass eine Freundin Befürchtungen hat, dass sie den Mond anbetet, wenn sie die Übungen durchführt.

Anja lächelt und erwidert leicht erstaunt, dass Yoga nichts mit Anbetung zu tun hat und die Übungen die Konzentration, psychische Stabilität und Standfestigkeit fördern. Stimmt! Anja strahlt von Kopf bis Fuß eine tiefe Ausgeglichenheit von innen heraus aus.

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Da schaue ich mir lieber die Schönheit der Felsen an

Als ich später an Meditationsübungen teilnehme, kreisen meine Gedanken um alles Mögliche, ich kann sie gar nicht kontrollieren. Während ich neben den anderen Schülern vor dem rauschenden Meer auf Yoga-Matten liege, mache ich meine Augen auf und schaue mir die Schönheit des Felsens an.

So oft bin ich hier recht flüchtig vorbei gelaufen und jetzt konzentriere ich mich auf jedes Detail – die Struktur, die Farben und den Himmel mit seinen vorbei ziehenden Wolken. Als ich die Energie-Reise-Veranstalterin nachmittags auf der Terrasse treffe, da beruhigt sie mich: Konzentration auf eine Sache zu üben dauert häufig Jahre. Ohne Druck und Erwartungen macht das Erlernen am meisten Spaß!

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Ausflug Stromboli – aktiver Vulkan und feurige Momente

An der Rezeption des Hotels Kalura sind sämtliche Ausflüge buchbar – die persönliche Beratung ist sehr professionell. Für den letzten Tag entscheiden wir uns dafür, die Insel Stromboli im Rahmen einer Schiffsfahrt zu besichtigen. Der Vulkan ist aktiv – von diesem Ausflug und seinen Naturschönheiten schwärmen uns sämtliche Besucher vor.

Bei den Namen der Nachbarinseln muss ich sofort an die der Apartments des Kalura Hotels denken: Lipari, Salina, Vulcano, Panarea, Filicudi und Alicudi – sie gehören zur Inselgruppe der Äolischen oder Liparischen Inseln im Tyrrhenischen Meer.

„Vom Meeresgrund ragt der Kegel des Vulkans etwa 3000 Meter auf“ berichtet uns ein Pärchen, das den Ausflug „Stromboli“ mit Begeisterung erlebt hat und erzählt uns weiter, dass die Fläche der Insel nur 12,6 Quadratkilometer beträgt, was für diese Höhe ungewöhnlich ist.

Aufgrund von starken Stürmen und hohem Wellengang wird der Trip um zwei Tage verschoben – dann sind wir bereits im kalten Deutschland. Schade, da haben wir wohl Pech. Durch diese Situation lernen wir, dass man Highlights direkt zu Beginn der Reise buchen sollte.

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Wilde Kräuter und Kalura Kochbuch als Abschiedsgeschenk

Am letzten Abend versuchen wir, das Viergangmenü des Hotels Kalura noch einmal ganz besonders zu genießen. Als Frau Curcio – die äußerst schick gekleidete Mutter von Hotelinhaber Gerrit Curcio – mit Tüten voller Kräuter ins Restaurant kommt, da hofft mein Schatz insgeheim, dass unser Tisch ihr Ziel ist. Der Wunsch geht in Erfüllung. Die Chefin ist Deutsche, strahlt auf mich aufgrund ihrer Herzlichkeit jedoch so etwas wie eine richtige „italienische Mama“ aus.

Unser ganzes Umfeld duftet nun nach Rosmarin, Salbei und Basilikum. Wer diese Kräuter nur aus Deutschland kennt, der weiß nichts von deren wahrem Potenzial. Vom sympathischen Gerrit kriegen wir noch das „Kalura Kochbuch“ von Küchenchef Gino Mazzola mit auf den Weg, damit wir zu Hause weiterhin sizilianisch speisen können.

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„Look there – this is Etna“

Als wir auf der Rückfahrt zum Flughafen Catania aus dem Fenster schauen, da ruft unser Fahrer plötzlich begeistert auf. Er zeigt uns den etwa 3.323 Meter über dem Meeresspiegel höchsten und aktivsten Vulkan Europas. Wow – wie er da majestätisch zwischen den Wolken hervor scheint – toll!

Durch unser Flugzeugfenster können wir zuletzt einen herrlichen Sonnenuntergang bewundern. Und da ist er plötzlich wieder – erhaben über den Wolken: Ätna. Er zieht mich magisch an und ich will nur noch drauf steigen. Das mache ich auch, beim nächsten Mal!

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Kontakt zum Hotel Kalura:

Via Vincenzo Cavallaro 13
I-90015 Cefalù (PA)
Tel: +39 0921 421354
Fax: +39 0921 423122
Internet: http://www.hotel-kalura.com

Disclaimer: Danke für die Pressereise

 

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