«

»

Jan 15 2014

Zeeland im Winter – einzigartig, stimmungsvoll und zauberhaft

Das Grau wird kälter. So die Wetteraussichten für die nächsten Tage. Na toll! Ende November eben. Und was machen wir? Nix da Koffer packen für die Tropen. Die holländische Nordsee steht auf dem Programm.

Wie ich auf diese verrückte Idee komme? Nun, ich erinnere mich an das Gespräch mit dem Marktverkäufer. Der Stand, an dem ich mir immer die leckeren Cox Orange Äpfel hole. Der junge Mann war kürzlich dort und hat mir von der herrlich kaltrauen Seeluft vorgeschwärmt. Dass die Gegend im Winter einen Charme versprüht, den der Sommer einfach nicht bieten könnte. Wow. Ist das tatsächlich so? Momentan ist mir beim Blick nach draußen doch einfach nur kalt.

Ein paar Tage später sitzen wir samt unserem Bambino im Auto und tippen den zeeländischen Ort Kortgene ins Navi ein.

Dort angekommen fahren wir mit dem Auto Richtung Bungalows und fühlen uns ein bisschen merkwürdig. Es ist mittlerweile schon fast dunkel geworden und wir scheinen hier die einzigen Gäste zu sein. Wie ausgestorben ist es hier. So – unser Haus Nummer 89 ist gefunden.

Gleich vor unserer Bleibe halte ich kurz inne und erblicke ein herrliches Abendrot am Himmel. Sanft und leicht über den winterlichen Bäumen. Wie harmonisch sich das Licht im See spiegelt. Die Luft ist klar und frisch. Es duftet nach Meer. Kurze Vorfreude auf das, was mir der Marktmann versprochen hat. Dass hier im Winter so ein magischer Zauber über der Gegend liegt.

morgenrot

Als wir nach einem Dinner satt und glücklich Richtung Unterkunft fahren, da sage ich meinem Mann, dass ich in einem Haus Licht brennen sehe. Wir seien anscheinend doch nicht die einzigen Gäste. Mein Schatz wirft ein, dass das doch unsere Villa ist, die von weitem hell erleuchtet ist. Stimmt.

Vor dem Haus stehend ruft er plötzlich, dass er Gestalten in unserem Haus sieht. Ich erschrecke mich kurz und dann lacht er. Nun, die menschenleere Gegend scheint ihn an seine Horrorfilme zu erinnern und seine Phantasie zu inspirieren. Aber dann fügt er hinzu, dass er genau diese Atmosphäre hier liebt. Man könnte sagen, dass wir in diesem Augenblick kein Part des Massentourismus sind.

Wir nehmen in unserer Unterkunft auf dem knallroten Ledersofa Platz und unterhalten uns darüber, dass wir uns schon auf den nächsten Tag freuen. Reiten auf Eseln steht auf dem Programm. Wir sind gespannt.

villa

“Kinder, die drei Jahre jung sind, die vergessen Esel reiten ihr ganzes Leben lang nicht mehr. Das ist ein absolut prägendes und tolles Erlebnis.” Wir befinden uns in einer kleinen Hütte in Kamperland während Bianca Plune uns von dem gleich bevorstehenden Ereignis berichtet.

Unser kleiner Leon hat sich bereits auf den Kindertraktor gesetzt und wird plötzlich vom riesigen Haushund abgeschleckt. Glaubt mir – ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen größeren Schäferhund gesehen als diesen hier. Mein anderthalb Jahre junger Wonneproppen kommt mir daneben richtig klein vor. Angst? Nö. Der große Vierbeiner scheint gleich ein neuer Freund geworden zu sein.

Dann werden uns vom Esel Herrchen und der Bäuerin Bolus mit Kaffee und Tee serviert. Unsere Gastgeber sind sichtlich stolz auf ihre typisch zeeländische Spezialität. Danach verraten sie uns, wie das süße Gebäck gemacht wird. Und das ist gar nicht so einfach – denn die Kunst besteht darin, den Bolus genau im richtigen Moment aus dem Ofen zu holen.

Ist man zu früh dran, dann ist er noch nicht gar. Braucht man zu lange, ist er hart wie Stein. Am besten schmeckt er mit Butter. Meine Meinung? Der erste Bissen ist fantastisch. Doch wenn du einen ganzen Bolus isst, dann hast du irgendwann das Gefühl, dass du eine reine Zuckerbombe im Mund hast. Lachend bestärkt mich Bianca in meiner Vermutung. „Ja, da ist viel Zucker drin. Richtig viel Zucker. Wenn du damit fertig bist, musst du dir erst mal richtig gründlich die Hände waschen.“ Puh ist das Zeug klebrig.

bolus

Können wir denn jetzt mit der Eseltour starten? Nee. Unsere Schuhe gehen gar nicht. Meine femininen „Mädchenstiefelchen“ muss ich erst mal gegen Gummistiefel von den Bauarbeitern austauschen. Wir latschen schließlich gleich durch knöchelhohen Matsch. Das sehe ich ein.

So. Endlich. Es geht los. Wir laufen ein paar Schritte zu den Eseln und sind bereits von weitem begeistert. “Was sind die süß”, rufe ich laut. Esel Herrchen klärt uns erst mal gründlich auf. Esel und Pferde seien von Grund auf verschieden. Dann gelangt Bianca förmlich ins Schwärmen. Esel seien so geduldig, liebevoll, wahnsinnig intelligent, absolut hochsensibel und auch verletzlich. Ist ein Esel dein Freund geworden, dann tut er fast alles für dich.

Bist du hier, hast du das Gefühl, dass Bianca ihre Esel so innig liebt, wie andere ihre Kinder. Oder sogar noch mehr. Und dass sie ihre Lieblinge auch verdammt gut kennt. Samt allen Macken und Vorlieben. Wir beginnen damit, die Esel mit einer Bürste zu säubern.

Dann erhalten wir die Aufgabe, die Esel an der Leine zu ziehen, damit sie nacheinander Richtung Gehweg laufen. “Hey, Elischeba, nicht so zaghaft. Du sollst den Esel führen. Nicht der Esel dich.” In Ordnung – ich habe mich noch nicht so richtig getraut.

Reiten auf Eseln sei eigentlich etwas für Kids ab Drei, erklärt uns Bianca. Dann könnten sich die Kleinen richtig gut alleine festhalten. Wir machen das heute so, dass einer von uns den Leon stützt und Bianca seinen Esel “Boets” leitet.

blogeintrag2014

Der andere von uns nimmt den Esel namens „Julia“ an die Hand. Ey das ist hier nicht nur ein Kinderspaß. WIr sind begeistert. Leon lacht und schaut fasziniert auf den Esel.

Esel tun tatsächlich gut. Bianca erzählt mir, dass sie bereits mit Gefängnisinsassen gearbeitet und die wunderbaren Tiere therapeutisch genutzt hat. Wow. Ich bekomme eine Gänsehaut.  Als nächstes steht die “Five Star Farm” auf dem Programm.

Och nö, bitte nicht schon wieder was Süßes. Ich habe vor dem Esel reiten mit Leon doch gerade noch einen ganzen “Bolus” verputzt. Mit ganz viel Zucker. Und typisch “zeeländisch”. Eigentlich ist mir ja jetzt um 13 Uhr eher nach was Herzhaftem. Irgendein stinknormales Mittagessen würde vollkommen ausreichen.

Aber in der Five Star Farm Kamperland bringt man uns zur Begrüßung zwei sehr lecker aussehende Kuchenstücke mit Kaffee und Tee.

Wir befinden uns gerade in einem riesigen Indoor-Spielplatz. Eine echt coole Idee – Eltern können in aller Seelenruhe lümmeln und die Kids toben. Während unser Wonneproppen schon ganz begeistert mit einem Fuß im Bällebad drin ist, frage ich nach, ob ich irgendwas Herzhaftes bekommen kann.

kuchen

Ein freundlicher und hochgewachsener junger Mann erklärt mir, dass ich ja erst den Kuchen essen könne und dann würde man mir gleich danach ein Sandwich oder Pommes mit Würstchen bringen. Prompt erwidere ich, dass ich lieber erst das Sandwich hätte und danach den Kuchen esse würde.

“Boa Mausi, du bist aber beim Essen manchmal echt was kompliziert”, wirft mein Schatz Pierre ein. Ja, mag sein. So. Das Sandwich wird gereicht – herrlich! Zwischendurch kommt mein kleiner Mann angerannt, klaut mir ein Stückchen vom Käse und danach was vom Kuchen.

Ihm schmeckt es hier definitiv. Dann rennt er mit dem Essen in der Hand weiter und möchte es direkt mit anderen Kids teilen. Die haben aber selbst genug – die sind nämlich Teil einer riesigen Geburtstagsfeier, die hier gerade stattfindet. Und da gibt`s natürlich auch reichlich Futter. Wer eine Kinderparty plant, der ist in der Five Star Farm bestens aufgehoben.

Neugierig wie ich bin, schnappe ich mir danach meine zwei Männer, um mich mit ihnen draußen umzuschauen. Was gibt es hier zu entdecken? Ein einladender Country Style und richtiges Bauernhof Feeling. Kühe, Hühner, Ponys und lauter Hunde. Und jetzt verstehen wir auch, wieso die Five Star Farm einen Lernbauernhof darstellt.

Es gibt ein tolles Naturinformationszentrum, welches Zusammenhänge mit Hilfe moderner Techniken erklärt. Klein aber fein. Als Leon den Spielplatz samt Trecker entdeckt, müssen wir da natürlich auch noch mal Stopp machen. Kinderautobahn inklusive. Hier können die Kleinen mal richtig Gas geben.

kuh

Es ist ein kalter Frühwintertag. Die Luft ist schön klar. Angenehm frisch. Leicht salzig. Vor Einbruch der Dunkelheit wünschen wir uns noch Tuchfühlung mit dem Meer.

Mit Mantel und Schal laufen wir über ein paar Dünen Richtung Strand. Kamperland ist eine kleinere Ortschaft auf der niederländischen Insel Noord-Beveland. Während mein Haar heftig um meinen Kopf herum weht, erinnere ich mich wieder an das Gespräch mit dem Marktverkäufer.

Wie ich ihn gefragt habe, wieso er nicht im Sommer an die Küste Hollands fährt. “Weil dann alle da hin fahren!” hat er prompt geantwortet und mir von der einzigartigen Stimmung dieser Gegend im Winter vorgeschwärmt. Einer Stimmung, die kaum einer kennen lernt. Aha.

stehen

Dann stehen wir da. Plötzlich. Einfach so. Vor einem riesigen Strand. Menschenleer. Weit hinten der Horizont. Das Meer. Wenn du hier stehst, dann wirst du aus dem Alltag herausgeholt. Du ruhst in dir. Das ist meine Meditation. Am Strand sein. Zum Himmel schauen. Stille. Die einzigen Geschichten die du hörst, sind die des Meeres. Die dir aus der Tiefe des Ozeans im Rauschen des Meeres sanft entgegen treten.

Plötzlich treten zwei galoppierende Reiter aus der nebeligen Abendluft hervor. Muss das herrlich sein. An endlosen und einsamen Stränden entlang traben.

Dann halte ich inne. Und frage mich, wie ich dieses Fleckchen Erde finden würde, wenn die Urlauber hier wie die Ölsardinen liegen würden. Nun – ob der Strand hier in der Saison überlaufen ist, das kann ich nicht beurteilen. Ich war hier noch nie im Sommer. Aber welches Gefühl würden solche Menschenmengen in mir aufrufen? Stress! Ist doch bescheuert. Genau davor wollen wir im Urlaub doch fliehen.

Also, lieber Winter. Du hast auch Schokoladenseiten. Ich genieße heute einfach mal eine davon. Was nach einem Strandspaziergang so richtig gut tut? Ab in die Sauna. Fühlt sich nie besser an als nach einem kalten Wintertag. Und danach was richtig leckeres essen gehen. Und sich in Gedanken vorstellen, wie man dem Marktverkäufer bestätigt, dass er nicht nur bei der Apfelwahl tolle Tipps hat.

Der Film zum Artikel:

Passende Artikel auf dem Reise- und Mamablog:

Erfahrungsbericht vom Esel reiten mit weiteren Fotos 

Noch mehr Bilder von der Five Star Farm – mit Link zum Bauernhof

Haie treffen und Seelöwen knutschen 

Ankunft im Bungalow – mit Adresse und weiteren Infos

Disclaimer: Danke für die Pressereise

 

2 Kommentare

  1. Sabine

    sehr schöner artikel mit tollen fotos – bis jetzt war ich nur einmal im sommer da aber man scheint ja auch im winter hin reisen zu können 🙂

  2. Anke

    tolle Schreibe 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Translate »