Autorin: Elischeba Wilde Fotografen: Sandra Caramelle (14 Bilder - alle Fotos unter Wasser), Elischeba Wilde (11 Bilder), hauseigener Fotograf vom Marriott Hotel (drei Bilder), Martin Helmers (ein Bild), Zeitraum der Reise: Mitte April 2009
Dass die Tauchgebiete Ägyptens zu den Weltbesten gehören, ist allgemein bekannt. Während meines Aufenthalts am rotem Meer erlebe ich enorme Gegensätze: Die emotionale Begegnung mit wilden Delphinen, inspirierende Tauchgänge und drei Tage auf der Intensivstation des Nile Hospitals. Pharaos Rache kann jedoch vorgebeugt werden.
Große Augen
Als mir der Tauchlehrer Michael Stadermann auf der Messe „boot" in Düsseldorf im Januar 2009 Fotos von wilden Delphinen zeigt, da kriege ich ganz große Augen. Der hochgewachsene Ägyptenfan, der in Hurghada die Tauchbasis "SWDF" leitet, berichtet von seinem fast freundschaftlichen Verhältnis zu den Meeresbewohnern. Schnell wird mir klar, dass ich die Freunde des Buchautors "Perfekt tauchen" treffen muss.
Stacheldrähte und unheimliche Atmosphäre
Drei Monate später sitze ich mit meinem Mann im Flugzeug. Unser Fünf-Sterne-Hotel Marriott liegt im Herzen von Hurghada. Hier sorgen eine gute Küche und ausgesprochen freundliches Personal für eine wohlige Atmosphäre. Für diese Annehmlichkeiten nehmen wir den zehnminütigen Fußmarsch zur SWDF Basis gerne in Kauf.
Auf dem Weg dorthin laufen wir an zahlreichen Bauruinen, Stacheldrähten, aufgehäuften Steinen und unbewohnten Gebäude vorbei. Unheimlich wirken sie. Ägypten besitzt generell wenig fertig gestellte Häuser - das hängt mit den Gesetzen des Landes zusammen - denn erst wenn der zweite Stock fertig gestellt ist, müssen die Einheimischen Steuern zahlen.
Eine tierische Freundschaft war schuld
Am Ziel angekommen treffen wir uns mit Michael Stadermann auf dem Dach der Tauchschule SWDF. Es handelt sich um einen richtig gemütlichen Sammelpunkt mit einem tollen Ausblick auf das Meer. Die Basis befindet sich in einem der ältesten Hotels, das „Al Mashrabiya", welches wie ein kleines, orientalisches weißes Dorf im Grünen wirkt. Schnell kommen wir mit dem Tauchlehrer und einigen Gästen ins Gespräch. Der Basisleiter ist jedoch der einzige in der Runde, der beim Grillen auf Fleisch verzichtet.
Zum Vegetarier wurde er durch eine Freundschaft mit einem Hornhecht. Dieser Fisch war in Thailand täglich sein Begleiter bei Schnorchelgängen und schaute den Individualisten mit großen Augen an. Außerdem lockte er ihn zu Meeresbewohnern in Gefangenschaft - mit dem Ziel, dass er diese befreit. Tief beeindruckt sorgte der junge Mann dafür, dass alle Fische ihr Gefängnis verlassen konnten. Von da an kann er nichts mehr essen was Augen hat. Denn er hat verstanden, dass eine Seele hinter den Augen existiert. Und wer isst schon gerne seinen Arbeitgeber?
Wir sind eher spirituell als kommerziell
Am ersten Tauchtag fahren wir den Spot Giftun Sorayar an. „Wir sind eher spirituell als kommerziell" erzählt uns der Basisinhaber Michael während der Fahrt. Der hochgewachsene, junge Mann erklärt uns, dass die Abkürzung SWDF für „Spiritual World Diving Federation" steht. Deswegen wird der Fokus nicht auf die Gewinnmaximierung gelegt. Sondern auf ein kleineres Schiff, welches weniger Taucher aufnimmt und dadurch auch weniger Einnahmen erzielt. Dafür erleben Besucher jedoch eine familiäre Atmosphäre.
Zwei Gäste auf dem SWDF-Boot „Dolphin Dancer" sind gerade an ihrem Tauchschein dran und werden nach internationalen Richtlinien der CMAS unterrichtet. Wer den Sport lernen möchte, fährt fünf Tage mit der SWDF raus und macht täglich zwei Tauchgänge vom Boot. Praxis wird hoch geschrieben. Die Theorie bekommen die Schüler komplett mündlich auf dem Schiff beigebracht. Ich setze mich zu den Schülern und bin begeistert: Alles wird sehr locker, präzise und umfangreich vermittelt. Es wird sich am Tempo der Lernenden orientiert.
Nee, trau mich nicht, Muränen können doch beißen
Nach circa einer Stunde kommen wir am Ziel an und machen uns startklar. Per Schritt nach vorne geht es ins Wasser und an einem großen Seil wird abgetaucht. Es bereitet mir eine große Freude, dabei zuzuschauen, wie mein Buddy eine riesige Muräne ausgiebig krault. Das große braungraue Geschöpf scheint dies extrem zu genießen. Ob ich auch mal streicheln will, fragt Michael mich mit Handzeichen unter Wasser. Ich schüttele entschieden den Kopf und verneine mit einer eindeutigen Geste. Da ich erfahren habe, dass diese Tiere beißen können, traue ich mich nicht. Später schwimmen zwei wunderschöne Blaupunktrochen unter uns her. Außerdem bezaubern uns zahlreiche Fischschulen. Es macht einfach Spaß, mit ihnen im Strom zu schwimmen.
Blondine mit viel Herz
Michaels Partnerin Sandra Caramelle wächst uns ebenfalls sehr schnell ans Herz. Die 23-jährige blonde junge Frau strahlt viel Warmherzigkeit aus und ist äußerst hilfsbereit. Für das leibliche Wohl wird auf dem Schiff "Dolphin Dancer" mittags zwischen den Tauchgängen bestens gesorgt. Wer jedoch vom leckeren Erdbeer-Yoghurt Dessert etwas abhaben möchte, der muss sich mit seinen Vor- und Hauptspeisen beeilen.
Ihr müsst daran glauben, dann könnt ihr die Delphine sehen
Am nächsten Tag ist es so weit. „Lasst uns heute den Spot der Delphine anfahren", findet unser Guide. Seiner Meinung nach ist die Wahrscheinlichkeit für ein Treffen ziemlich hoch. „Ihr müsst daran glauben," zwinkert uns der Tierfreund zu. Er drückt mir Longblades in die Hand, damit ich mich ähnlich bewegen kann wie die Delphine. So bin ich schwungvoller und schneller als mit Standart Flossen.
Nachdem wir circa eine Stunde unterwegs sind, stehe ich kurz wie erstarrt auf dem Boot und blicke ins Meer. Ich verfolge mit meinen Augen immer wieder das gleiche freundliche Wesen. Ein Geschöpf, von dem ich bereits die halbe Lebensgeschichte kenne, schwimmt immer wieder ums Boot. Auf einmal habe ich Tränen in den Augen. „Da ist Ferdinand" rufe ich den anderen zu. An seiner Rückenflosse, die eine große Kerbe aufweist, habe ich Michaels persönlichen Freund erkannt.
Ferdinand erkennt unser Schiff
Michaels erste Begegnung mit diesem Delphin war dramatisch. Als der Tierliebhaber Ferdinand inklusive einer Gruppe Taucher entdeckt, erschrecken sie. Der Delphin ist schwer verletzt und hat eine frische Fleischwunde, wahrscheinlich von einem Hai. Am späten Nachmittag legt das Boot vom Riff ab und einige der Taucher sind äußerst gerührt, als sie sehen, wie ihr neuer Freund dem Boot folgt. In den folgenden Wochen begegnet ihnen der Delphin, der an seiner langsam verheilenden Wunde leicht zu erkennende ist, immer wieder an verschiedenen Riffen. Ferdinand scheint sie zu mögen und es sieht so aus, als erkennt er unter Wasser sogar das Schrauben- oder Motorengeräusch des Schiffes.
Der Delphin möchte uns Geschichten erzählen
Von Michael und seinem Team erfahren wir, dass Ferdinand es liebt, sich an Gorgonen oder Lederkorallen zu streifen oder Wurmhügel anzurempeln. Einmal jongliert der Delphin eine Qualle auf der Nasenspitze, schubst sie jemandem zu und hofft, dass ein Taucher beim Ballspiel der anderen Art unter Wasser mit macht. „Ich glaube, der Delphin möchte uns Geschichten erzählen" vermutet der Tierfan.
Als der Unterwasserfilmer den alten Fischern Aufnahmen von Ferdinand zeigt, können diese im ersten Moment nicht glauben, was sie sehen, denn in der Regel fürchten sich Haie vor Delphinen und würden sie nicht angreifen. Die Fischer spekulieren, dass die Wunde in Ferdinands Rücken von einem großen Makkohai stammt. Delphine haben ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten. So dauerte es nicht lange, bis Ferdinand regelmäßig seine Freunde mitbringt.
Summen unter Wasser
Diese möchten wir auch sehen, deswegen tauchen wir wieder zusammen am Seil ab. Von der Handhabung meiner Apnoeflossen bin ich begeistert. Schnell habe ich den Dreh raus und möchte am liebsten nur noch mit diesem Equipment tauchen. „Wie kommt es, dass ich Musik unter Wasser höre?" frage ich mich, bis ich feststelle, dass Michael unter Wasser neben mir summt.
Ich vermute, dass dies eine seiner Methoden ist, die Geschöpfe mit Menthalkraft anzuziehen. Er stupst mich an und zeigt nach links. Auf einmal sehe ich sie - fünf Delphine. Ferdinand ist mit seinen Freunden unterwegs. Ich bin überwältigt und überglücklich, diese freundlichen Lebewesen zu sehen. Der Traum eines jeden Unterwasserfans - ich darf ihn erleben. Doch mache ich einen großen Fehler: Trotz vorherigem Durchfall und Schlappgefühl gehe ich tauchen.
Plötzlich hohes Fieber
Schon am nächsten Tag verschlechtert sich mein Gesundheitszustand. Neben krassem Durchfall spüre ich, wie mein Kopf immer heißer wird. Mein Mann hat bereits den Hotelarzt angerufen, der eine halbe Stunde benötigt, um bei mir zu sein. Immer energischer bitte ich meinen Schatz vor des Doktors Eintreffen, dass er mir noch schneller neue kalte Wickel um den Kopf und über die Beine legt. Ein paar Sekunden tut die Kühle gut, bis ich das Gefühl habe, dass die nasskalten Handtücher die enorme und gefährliche Hitze meines Körpers komplett übernommen haben.
Der Arzt kann keine Vene mehr finden
Endlich steht ein freundlicher ägyptischer Arzt mit seiner Assistentin in unserem Hotelzimmer. 80 Prozent der Gäste haben leichte Durchfallprobleme - auch ein Kollaps kommt gelegentlich vor. Man weiß damit umzugehen und so werden Infusionen gegeben, welche die Elektrolyte des Körpers ausgleichen sollen. Da mein Blutdruck extrem niedrig geworden ist, kann der Arzt keine Vene finden.
Er versucht es dreimal und gibt auf. Meine Beine werden hoch gelegt und in einer halben Stunde würde er wieder kommen. Nachdem das Legen der Infusion dann 30 Minuten später klappt, kündigt er an, dass er für eine weitere Infusion in vier Stunden zurückzukommen wird. Ich bitte ihn inständig nicht zu gehen, aber noch ist es für ihn ein Routinefall und es scheint nichts auf Komplikationen hinzudeuten - außer meinem inneren Gefühl.
Epileptische Anfälle und Bewusstlosigkeit
Plötzlich spüre ich, wie das Gefühl in meinen Füßen und Händen immer mehr verschwindet - es kommt mir so vor, als würden diese Körperteile bald absterben. Schnell bewege ich meine Arme und Füße hin und her, um das immer stärker werdende Taubheitsgefühl zu verringern. "So kann ich den Tod aufhalten" denke ich mir voller Angst. Kurze Zeit später werde ich bewusstlos. Was dann passiert, dass erzählt mir mein Mann, als ich vier Tage später wieder unter den "vollständig Lebenden" bin. Ich kriege merkwürdige epileptische Anfälle. Blut kommt aus meinem Mund. Ich bin im vollständigen Delirium. Mein sonst sehr umgänglicher Mann brüllt mittlerweile hysterisch ins Hoteltelefon. Der Arzt muss sofort kommen, sonst würde seine Frau sterben. Noch eine halbe Stunde müssen wir warten. Wir sind nicht in Deutschland, wo der Notarzt zehn Minuten braucht, um zugegen zu sein.
Bettenwechsel - vom Luxushotel auf die Intensivstation des Krankenhauses in Hurghada
Drei Tage später erwache ich auf der Intensivstation des Nile Hospitals in Hurghada. An die ersten zwei Tage und den Weg ins Krankenhaus habe ich absolut gar keine Erinnerung mehr. Mein Mann Pierre dafür umso mehr. Man hätte mich sofort ins Krankenhaus bringen müssen. Am vierten Tag werde ich von der Intensivstation auf ein normales Zimmer verlegt. Das Krankenhaus ist sauber und gepflegt - der Standart erscheint mir recht hoch.
Der Körper hat auf Notbetrieb umgestellt
Erstaunlich schnell werde ich wieder fast topfit und verabschiede mich vom herzlichen und gut Englisch sprechenden Krankenhaus Personal. Schön, dass alles noch mal gut gegangen ist. Später erfahre ich, dass meine Nieren aufgrund Mineralstoffmangels versagt haben, mein Elektrolythaushalt dadurch schwer gestört war und sich mein ganzer Körper bis auf die lebensnotwendigen Organe ausgeschaltet hat.
Mein Körper hat quasi auf Notbetrieb umgestellt. Ohne die Hilfe, die mir im Krankenhaus widerfahren ist, hätte ich nicht überlebt. Auch wenn dieser Aufenthalt zur Rettung meines Lebens beigetragen hat, bin ich froh, dass ich die Rechnung des Nile Hospitals nicht selbst zahlen brauche. Eine gute Auslandskrankenversicherung ist empfehlenswert. Das wird mir besonders dann bewusst, als ich in Deutschland die Nachricht erhalte, dass meine Krankenkasse über 6000 Euro für mich nach Ägypten überwiesen hat.
Vorbeugen ist besser als heilen
Doch wie kann es so weit kommen? Häufig sind es mehrere Faktoren: Gäste gehen beispielsweise auswärts essen und bekommen Speisen in scheinbar guter Qualität serviert. Allerdings ist dort der hygienische Standard beim Zubereiten nicht immer hoch genug für den europäischen Magen - darauf sind diese Restaurants auf der Strasse eben nicht immer eingestellt - im Gegensatz zu vielen europäisch geführten Spitzenhotels.
Das Klima ist komplett anders als auf Mallorca oder den Kanaren - an die heftige Sonne muss sich langsam gewöhnt werden. Es wird an der Bar vergessen zu sagen, dass man im Getränk auf Eiswürfel verzichten möchte - diese dann lediglich mit dem Löffel heraus zu holen, reicht nicht aus. Die Regel „Schäl es, koch es oder vergiss es" wird nicht beachtet, da die frischen Salate doch so lecker aussehen.
Alles, was mit Leitungswasser gewaschen wird, kann diverse Bakterien einhandeln. Vorbeugen ist einfacher als heilen. Salzige Nahrungsmittel sind vorteilhaft, da der Körper viele Salze verliert. Alkohol zum Abend kann Bakterien killen - sollte vor allem von Tauchern natürlich trotzdem in Maßen getrunken werden.
Als ich mich in Deutschland checken lasse, ruft mich mein Hausarzt beim Verlassen der Haustür noch einmal hinein. „Frau Wilde, Sie hatten mir berichtet, dass Sie für ein Tauchsportmagazin schreiben. Dann erwähnen Sie dort bitte noch einmal, dass Tauchen für Menschen, die sich gerade nicht in einem hundertprozentig gutem gesundheitlichen Zustand befinden, lebensgefährlich ist."
Kontaktadressen:
Tauchbasis:
SWDF Headquarter Al Mashrabiya Diving Center Sheraton Road Hurghada Red Sea Egypt Tel: +2 065 3 44 23 75 E-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
Internet: http://www.swdf.de
SWDF Infozentrale Deutschland:
Jürgen Pott Grädenerstrasse 15 20257 Hamburg Telefon: aufgrund von Umzug zurzeit nicht verfügbar Mobil: +49 (0)171 276 57 14 E-Mail:
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Walhai- begegnung in Kenia - und nichts ist mehr wie es vorher war
Autorin: Elischeba Wilde Erschienen im SeaStar Magazin Models: Elischeba Wilde, der Walhai Fotograf: Martin Helmers Von Januar 2005
Mit einer Länge von circa 12 bis 16 Metern wird er in einem Tauchmagazin „als größte Fisch der Welt“ beschrieben. Der Planktonfresser ist ein Hochseebewohner der sich auch an den Küsten der tropischen Meere tummelt. Und wer Urlaub in Kenia machen möchte der kann sogar eine „Walhai-Garantie“ mit buchen.
Der lange Flug ist längst vergessen, als ich im Restaurant auf Chale Island in Kenia leckere Tintenfischringe mit Knoblauchsauce verspeise. Eine große Palme spendet mir ein bisschen Schatten unter der glühenden Mittagssonne. Als ich die Nachricht erhalte, dass Walhaie gesichtet sind, bleibt mir die Krabbe im Munde stecken. Mein Hunger ist schlagartig verschwunden. Ich packe meine Sachen und ein paar Minuten später sitze ich schon mit feuchten Händen im Boot.
„Bin ich im Film oder ist das jetzt wirklich wahr?“ denke ich mir, als nach zehn Minuten Fahrzeit ein riesiges Stück Flosse aus dem Wasser guckt. Ich schaue weiter und sehe den passenden Kopf durch das Wasser schimmern. „Wow – ist der riesig“ denke ich in mich hinein und stehe da mit offenem Mund und großen Augen wie ein kleines Kind. Ja. Es ist der Walhai. Sein Anblick erfüllt mich Ehrfurcht und lässt mein Boot neben ihm völlig klein erscheinen. „Die springt nicht“, lacht ein männlicher Gast als er mich Blondine da stehen und staunen sieht. Die anderen stimmen zu. Ich kriege das alles nicht mit. „Komm“, scheint der Walhai zu mir zu rufen. Dass ich erst einmal zuvor im Meer geschnorchelt bin ist völlig egal. Denken kann ich später. Maske aufsetzen, Füße in die Flossen, Schnorchel an den Mund und rein ins Wasser! Hektisch verliere ich unter der Oberfläche die Orientierung. Mist, wo ist er? Ich paddele in alle Richtungen. Enttäuscht stecke ich meinen Kopf wieder hoch. „Ich habe ihn nicht mehr zu Gesicht gekriegt“, verkündige ich Guide Mohammed der neben mir im Wasser schwimmt. Sofort greift der meine Hand. „Komm mit“, ruft er und zieht mich kurz entschlossen hinter sich her. Mit einem heftigen Tempo geht es durch das feuchte Blau.
Schritt halten
Da schwimmt er. Ohne Vorwarnung. Direkt vor mir. Mit riesigen weißen Punkten. Glückshormone durchfluten meinen ganzen Körper. Ich will so lange wie möglich neben ihm schritt halten. Natürlich ein vermessener Wunsch – aber das wird mir erst später bewusst. Hat Mohammed mich zuerst hinter sich hergezogen, ist er es nun der zum Ballast wird. Schnell lasse ich ihn los und lege noch einen Gang zu. Er erscheint wieder kleiner ich muss Gas geben. Puh, der sanfte Riese ist verdammt schnell. Jetzt bin ich dran. Direkt über seiner Schwanzflosse. Die erscheint mir drei Mal so groß wie ich selbst. Hoppla, er hat mich damit berührt. Wow, so nah bin ich tatsächlich dran. Wahnsinn!
Auge in Auge
Nun schwimme ich direkt über ihn. Ich bilde mir ein, seinen Atem zu spüren. Krass – ich kann jetzt seine Augen sehen und werde das Gefühl nicht los dass mich der Walhai von oben bis unten mustert. Als wenn er meine Seele studiert. Ganz ruhig und gelassen. Was wird er wohl über mich denken? Er ist viel schneller als ich. Ständig schlucke ich Salzwasser bei dem Versuch mit diesem atemberaubenden Geschöpf schritt zuhalten. Zeit um die Maske auszublasen bleibt dabei auch nicht.
Zehn Minuten
Ich schaffe zehn Minuten. Zumindest kommt es mir so vor. Zehn Minuten High-Speed-Schnorcheln neben, über und hinter ihm. Ich hätte nie gedacht welche Emotionen dieses gewaltige Geschöpf in mir auslöst. Irgendwann taucht er in die Tiefe des Meeres und lässt mich verwirrt zurück. Nur mühsam orientiere ich mich Richtung Boot und bin völlig erschöpft, als ich dort ankomme. Noch kann ich gar keinen klaren Gedanken fassen und nicht glauben, was ich da gerade erlebt habe. Auf dem Rückweg zum Restaurant liege ich da mit geschlossenen Augen in einem roten Handtuch eingewickelt auf dem Boot. Die Sonne brennt. Salzwasser ist auf meiner Haut. Meine Haare sind völlig zerzaust. Mir dreht sich alles. Die Gruppe lacht. „Die quirlige Quasselstrippe wurde gezähmt“, sagt einer der Gäste. Ich kriege gar nichts mit. Denn ich habe nur Walhaie vor meinen Augen. Und das wird sich die nächsten Tage auch nicht ändern.
Anreise
LTU und Condor fliegen von verschiedenen deutschen großen Flughäfen nach Mombasa. Die Flugzeit beträgt etwa acht Stunden.
Papiere
Für einen Aufenthalt bis zu drei Monaten genügt ein gültiger Reisepass. Es besteht Visumpflicht. Die Gebühren liegen bei 40 Euro.
Zeit
Winter MEZ +2, Sommer MEZ +1
Stromspannung
220 bis 240 Volt, die Mitnahme eines Adapters für dreipolige Stecker ist empfehlenswert.
Geld
Die Landeswährung ist der Kenianische Schilling (KES). Ein Euro entspricht circa 85 KES (Stand Febr. 05).