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Jan 27 2005

Walhai Begegnung in Kenia – und nichts ist mehr wie es vorher war

Walhai Begegnung in Kenia – und nichts ist mehr, wie es vorher war

Autorin: Elischeba Wilde
Erschienen im SeaStar Magazin
Models: Elischeba Wilde und der Walhai
Fotograf: Martin Helmers
Von Januar 2005

Mit einer Länge von circa 12 bis 16 Metern wird er in einem Tauchmagazin „als größter Fisch der Welt“ beschrieben. Der Planktonfresser ist ein Hochseebewohner, der sich auch an den Küsten der tropischen Meere tummelt. Und wer Urlaub in Kenia machen möchte, der kann sogar eine „Walhai-Garantie“ mit buchen.

kenya

Der lange Flug ist längst vergessen, als ich im Restaurant auf Chale Island in Kenia leckere Tintenfischringe mit Knoblauchsauce verspeise. Eine große Palme spendet mir ein bisschen Schatten unter der glühenden Mittagssonne. Als ich die Nachricht erhalte, dass Walhaie gesichtet sind, bleibt mir die Krabbe im Munde stecken. Mein Hunger ist schlagartig verschwunden. Ich packe meine Sachen und ein paar Minuten später sitze ich schon mit feuchten Händen im Boot.

bootkenia

„Bin ich im Film oder ist das jetzt wirklich wahr?“ denke ich mir, als nach zehn Minuten Fahrzeit ein riesiges Stück Flosse aus dem Wasser guckt. Ich schaue weiter und sehe den passenden Kopf durch das Wasser schimmern. „Wow – ist der riesig“ denke ich in mich hinein und stehe da mit offenem Mund und großen Augen wie ein kleines Kind. Ja. Es ist der Walhai. Sein Anblick erfüllt mich mit Ehrfurcht und lässt mein Boot neben ihm völlig klein erscheinen. „Die springt nicht“, lacht ein männlicher Gast als er mich Blondine da stehen und staunen sieht. Die anderen stimmen zu.

xlfisch

Ich bekomme das alles nicht mit. „Komm“, scheint der Walhai zu mir zu rufen. Dass ich erst einmal zuvor im Meer geschnorchelt bin, ist völlig egal. Denken kann ich später. Maske aufsetzen, Füße in die Flossen, Schnorchel an den Mund und rein ins Wasser! Hektisch verliere ich unter der Oberfläche die Orientierung. Mist, wo ist er? Ich paddele in alle Richtungen. Enttäuscht stecke ich meinen Kopf wieder hoch. „Ich habe ihn nicht mehr zu Gesicht gekriegt“, verkündige ich Guide Mohammed, der neben mir im Wasser schwimmt. Sofort greift der meine Hand. „Komm mit“, ruft er und zieht mich kurz entschlossen hinter sich her. Mit einem heftigen Tempo geht es durch das feuchte Blau.

Schritt halten

Da schwimmt er. Ohne Vorwarnung. Direkt vor mir. Mit riesigen weißen Punkten. Glückshormone durchfluten meinen ganzen Körper. Ich will so lange wie möglich neben ihm Schritt halten. Natürlich ein vermessener Wunsch – aber das wird mir erst später bewusst. Hat Mohammed mich zuerst hinter sich hergezogen, ist er es nun, der zum Ballast wird. Schnell lasse ich ihn los und lege noch einen Gang zu. Er erscheint wieder kleiner, ich muss Gas geben. Puh, der sanfte Riese ist verdammt schnell. Jetzt bin ich dran. Direkt über seiner Schwanzflosse. Die erscheint mir drei Mal so groß wie ich selbst. Hoppla, er hat mich damit berührt. Wow, so nah bin ich tatsächlich dran. Wahnsinn!

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Auge in Auge

Nun schwimme ich direkt über ihm. Ich bilde mir ein, seinen Atem zu spüren. Krass – ich kann jetzt seine Augen sehen und werde das Gefühl nicht los, dass mich der Walhai von oben bis unten mustert. Als wenn er meine Seele studiert. Ganz ruhig und gelassen. Was wird er wohl über mich denken? Er ist viel schneller als ich. Ständig schlucke ich Salzwasser bei dem Versuch mit diesem atemberaubenden Geschöpf Schritt zu halten. Zeit, um die Maske auszublasen, bleibt dabei auch nicht.

WalhaiKenia

 

Zehn Minuten

Ich schaffe zehn Minuten. Zumindest kommt es mir so vor. Zehn Minuten High-Speed-Schnorcheln neben, über und hinter ihm. Ich hätte nie gedacht, welche Emotionen dieses gewaltige Geschöpf in mir auslöst. Irgendwann taucht er in die Tiefe des Meeres ab und lässt mich verwirrt zurück. Nur mühsam orientiere ich mich Richtung Boot und bin völlig erschöpft, als ich dort ankomme.

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Noch kann ich gar keinen klaren Gedanken fassen und nicht glauben, was ich da gerade erlebt habe. Auf dem Rückweg zum Restaurant liege ich  mit geschlossenen Augen auf dem Boot. Die Sonne brennt. Salzwasser ist auf meiner Haut. Meine Haare sind völlig zerzaust. Mir dreht sich alles. Die Gruppe lacht. „Die quirlige Quasselstrippe wurde gezähmt“, sagt einer der Gäste. Ich kriege gar nichts mit. Denn ich habe nur Walhaie vor meinen Augen. Und das wird sich die nächsten Tage auch nicht ändern.

Anreise

LTU und Condor fliegen von verschiedenen deutschen großen Flughäfen nach Mombasa. Die Flugzeit beträgt etwa acht Stunden.

Papiere

Für einen Aufenthalt bis zu drei Monaten genügt ein gültiger Reisepass. Es besteht Visumpflicht. Die Gebühren liegen bei 40 Euro.

Zeit

Winter MEZ +2, Sommer MEZ +1

Stromspannung

220 bis 240 Volt, die Mitnahme eines Adapters für dreipolige Stecker ist empfehlenswert.

Geld

Die Landeswährung ist der Kenianische Schilling (KES). Ein Euro entspricht circa 85 KES (Stand Febr. 05).

Kontakt zur Tauchbasis:

http://www.divingthecrab.com

 

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